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Freitag, 29. Juni 2012

Power UP! - Beim Autorencamp des Wendland-Shorts Festivals


Letztes Wochenende habe ich die hektische Großstadt hinter mir gelassen, bin mit dem Zug nach Ueltzen gefahren und da aus mit dem Auto zum Hotelhof Salderratzen im Wendland.

Mein Ziel: das ungewöhnlichste Filmfest in Deutschland.

Meine Mission: Eine transmediale Geschichte vorstellen.

Seit acht Jahren veranstaltet Baumarkt-Besitzer Dirk Roggan die Wendland Shorts. Das Filmfestival findet in einer alten Fachwerkscheune im Wendland statt. Umgeben von weiten Wiesen und unterbrochen von Hahnenrufen werden hier deutsche Kurzfilme und junge Filmemacher premiert.


Gerade die ländliche Umgebung schafft allerdings eine besondere Stimmung. Entspannt wie auf einer Urlaubsreise oder einer Klassenfahrt treffen Filmemacher, Produzenten, Branchen-Vertreter von TV-Sendern und Fördereinrichtungen mit dem Publikum aus dem Wendland zusammen.
Es wird zusammen gelacht und gegessen. Es werden neue Ideen ausgetauscht, über Geschichten gesprochen und natürlich jede Menge Filme geschaut. 

Und natürlich bleibt auch die Verwunderung über die skurillen Seiten des Wendlands nicht aus.
Seit den Siebzigern ist das Wendland Rückzugsraum für alternative Lebensstile. Mein Schlafquartier war in einem zum Yoga-Zentrum umgebauten Fachwerk-Bauernhof untergebracht. Die herumliegenden Flyer werben für ein "Frauen im Fluss" -Seminar und andere esoterische Selbsterfahrungsangebote.

Warum ich da war?

Das Wendland Shorts Festival veranstaltet neben dem Film-Wettbewerb auch das Autorencamp. Im Rahmen des Camps können drei Autoren ein fiktionale Idee zu einem Konzept ausarbeiten und einer Branchen-Jury zu pitchen. Dabei ist das besondere, dass für diese Konzepte sofort ein "Prototyp" produziert wird.

Regisseur Jan Georg Schütte und sein Team aus bekannten Schauspielern, Kameraleuten, Cuttern und Musikern produzieren aus den Ideen der Autoren innerhalb von einer Woche Teaser-Clips. Das ist in Deutschland einmalig. Meistens sehen Autoren erst am Ende einer Filmproduktion bewegte Bilder, die aus ihren Ideen entstanden sind - und das obwohl sich anhand von Videoclips schnell zeigt, ob ein Konzept trägt oder wie es weiterentwickelt werden sollte. Und ganz nebenbei ist es mit bewegten Bildern viel leichter ein Konzept zu verkaufen.

(Jan Schütte [li.] beim Filmschnitt | Foto: Weydemann Bros) 

Da in diesem Jahr Transmedia-Serien Ideen gesucht wurden, hatte ich mich mit einer Idee um die Teilnahme beworben, die seit meiner Drehbuch-Ausbildung an der Filmschule Hamburg in der Schublade lag. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich in das Autorencamp eingeladen wurde.
Mit einer kleinen Verspätung stieß ich am Freitag zu den anderen beiden Campautoren - der Romanautorin Barbara Minden und der Journalistin Franziska Hessberger.

Die Autoren bei der Pitchprobe: Franziska, Barbara und ich. | Photo: Weydemann Bros
Schnell war uns Autoren klar, dass in diesem Dreiergespann Konkurrenz quasi unmöglich ist. Und so hat es mich und Barbara gefreut, dass Franziskas Konzept das Rennen in der Jurybewertung gemacht hat. Eine Entscheidung, die wir der Jury aus Dorothea Marin (Imaginary Friends) , Solveig Willkommen (Pro7/Sat.1) und Maike Petersen (Medienboard Berlin/Brandenburg) hoffentlich nicht einfach gemacht haben.

Mein Konzept

Ich habe das Serien-Konzept "Power Up" vorgestellt - eine satirische Abrechnung mit dem Leistungs- und Selbstoptimierungdruck unserer Gesellschaft, der besonders auf Menschen lastet, die keine Arbeit haben.

Aus der Prämisse wird deutlich: "Power Up" ist kein Konzept für eine Markeninszenierung. Eher ein persönliches Experiment, um Transmedialität an einem fiktionalen Plot zu denken und zu in bewegten Bildern testen.

Die Story:

Das "Power-Up Camp" ist ein Bildungsangebot für Langzeitarbeitslose auf einem verlassenen Hof in Brandenburg. Hier soll der bekannte Neuro-Professor Hartmut Winkel Langzeitarbeitslose wieder fit für den Arbeitsmarkt machen. Um das Camp abzuschließen müssen die Teilnehmer mithilfe elektronischer Messung permanent Punkte sammeln, die sie für Yogaklassen, Bewerbungstrainings oder das Einhalten des Ernährungsplans erhalten. Wer einen Punkte-Stand von 20.000 erreicht, dem winkt ein Spitzenjob.

Allerdings sind nicht nur die Methoden des Camps grenzwärtig. Ein Teilnehmer, der arbeitslose Journalist Harry (52), findet heraus, dass an den Teilnehmern leistungssteigernde Medikamente in Form von Limonaden gestestet werden, die Winkel zusammen mit einem Getränkemulti auf den Markt bringen möchte. Als sukzessive Teilnehmer des Camps verschwinden, nimmt Harry den Kampf gegen Winkel auf. Er will das Camp auffliegen lassen. Dazu braucht er die Hilfe der anderen Teilnehmer - doch welchem Teilnehmer kann er nach permanenter Gehirnwäsche noch vertrauen.

Im Rahmen des Camps wurden vier Testszenen zu meinem Konzept gedreht.
Test-Szene 1: Prof. Winkel (Ole Schlosshauer) stellt das Camp vor.
Test-Szene 2: Teilnehmerin Clara Greif (Pheline Roggan) stellt sich Prof. Winkel vor. 
Test-Szene 3: Das härteste Bewerbungscoaching der Welt. Mit Clara Greif, Harry (Oliver Sauer), Ricarda (Jessica McIntyre) und dem Psychologen Eberling (
Test-Szene 4: Eine Konfrontation zwischen Harry und Winkel. 
Sobald die Produktion hinter dem Autorencamp - die die großartigen Weydemann Bros (und mein besonderer Dank geht an Marieke, die die Videoproduktion geleitet hat) - die Videos bei Vimeo hochgeladen haben, werde ich sie hier posten.

Doch wie wird dieses Konzept transmedial?

Im Kern meines Transmedia Konzepts steht eine TV-Miniserie von ca. sieben Folgen, die einen in sich geschlossenen Story-Bogen erzählt. Sie erzählt wie sich Harry gegen den Campleiter Winkel auflehnt. Vor der Welt des Camps spannt sich die Geschichte auf andere Medien auf.

Phase 1: Prequel

In der ersten Phase wird Prof. Dr. Dr. Winkel als künstche Satrire-Person aufgebaut. Durch Auftritte in Kleinkunst-Kabarett-Kontexten, in denen er seine Theorien zur Leistungsgesellschaft predigt, soll eine Kunstfigur geschaffen werden, die sich in der Realität bewegen kann (Nenne das den 'Atze- Schröder-Effekt'.) Ziel ist, eine erste Follower-Schaft in einer politisch, gesellschaftlich interessierten Zielgruppe aufzubauen.

Die Auftritte von Winkel führen zu seiner Webseite. Dort finden Besucher sein kurzweiliges Ebook "Warum das Hirn die Arbeit liebt". Besucher der Seite werden eingeladen auf ihren Webseiten und Blogs für das Buch zu werben, indem sie ein Video von Winkel verlinken oder einen Winkel-Banner auf ihre Seiten integieren.

Die Seite ist zusätzlich Rabbit-Hole in ein Alternate Reality Game. In dessen Verlauf legen die User die zwielichte Vergangheit der Figur offen. Winkel war bereits an Medikamenten-Test an Studenten in den USA beteiligt und ist eine Weile untergetaucht gewesen.

Phase 2: Aktive Vermarktung

Die Vermarktung der TV-Mini-Serie (bzw. der Youtube-Show) startet über einen fiktiven Aufruf, sich für das Camp zu bewerben: "Dein Schritt zum Erfolg". Der Aufruf wird über verschiedene Medien gestreut wird (Flyer, Plakate, Facebook-Anzeigen, Social Media, ggf. auch weitere Auftritte von Winkel).

Die Aufrufe führen zur fiktiven Facebook-Seite des Camps. Hier wird die TV-Serie als 'neutrale Doku-Soap' der Camp-Erfolge angekündigt, sowie die fiktiven Teilnehmer vorgestellt. Geleitet wird die Facebook-Seite vom fiktiven Pressesprecher Winkels.

Phase 3: Die Serie läuft.

Dann startet das "Power Up Camp"-Serie.  In der Ästhetik einer Fictional-Reality-Soap verfolgen die Zuschauer die Entwicklung der Teilnehmer. Dabei werden die Hinweise von Folge zu Folge immer deutlicher, dass etwas in dem Camp nicht stimmt.

Wer den in den ersten Folgen gegebenen Hinweisen folgt, findet eine weitere Erzähl-Ebene unter Serie. Auf einem geheimen Blog berichtet der Journalist Harry über die Geschehnisse im Camp und seinen Ermittlungen. Er ist auch über die gesamte Laufzeit der Serie über Twitter erreichbar. So werden über Social Media die einzelnen Folgen vernetzt. Zunehmend laufen die Web-Erzählung und die Serien-Erzählung in einander über - bis es zum Showdown mit Winkel in allen Medien kommt.

Natürlich ist das Konzept noch etwas roh. Dennoch glaube ich fest, daran, dass es ein Publikum finden würde - weil Erzählungen mit "fiesen Prämissen" á la Breaking Bad gerade im Trend liegen und die Serie starke gesellschaftliche Themen aufgreift, die sich pressewirksam in Debatten um Leistung und Quantified Selfs inszenieren lassen.

Aus den Gesprächen, die ich im Anschluss an meinen Pitch geführt habe, kam allerdings noch eine Idee auf, um das Konzept zu inszenieren. Ehrlich gesagt lässt mich die nicht mehr los:

Was wäre, wenn man das Power-Up Camp als ein Live-Theaterstück inszeniert, das über mehrere Tage läuft, gestreamt wird und den Eingriff durch das Netzpublikum erlaubt. Eine Art konzentriertes Live-ARG.

Was denkt ihr?


Sonntag, 21. August 2011

Superf*ckingawesome! - Mein Rückblick auf das dritte Planning Barcamp in Hamburg


Am letzten Freitag hatte ich bereits zum dritten Mal (nach 2010 und 2009) das Vergnügen das "Planning Barcamp" zu moderieren.

Und zu allererst geht ein großer Dank an Michaela Jausen (DDB-Tribal), an Tim Keil (Philipp und Keuntje) sowie an Alex Böhmer (Faktor 3) und Katharina Michalski (brand foresight), die mich bei der Organisation inhaltlich und tatkräftig unterstützt haben. Auch der Sponsor darf nicht vergessen werden: Ohne die großzügige Unterstützung des Verbands der Marken- und Kommunikationsstrategen (APG) hätten wir die tollen Räume des betahaus HH nicht nutzen können.

(Es wurde eng im betahaus Hamburg)

Das betahaus, als Coworking-Space, hat uns die ideale Umgebung geboten, damit sich die über 50 angereisten Marken-Strategen in 12 selbstorganisierten Sessions austauschen konnten.

Das Thema in diesem Jahr lautete "Superf*ckingawesomeness". Enstanden ist das Thema durch eine Abstimmung auf der facebook-Seite des Planning-Barcamps: www.facebook.com/planningbarcamp.

Superf*ckingawesomeness? Was soll das bedeuten?

Ich habe das Thema so für mich interpretiert: Aufmerksamkeit war gestern. Markenkommunikation will heute relevant sein, Bedeutungen schaffen, Dialog stiften, Interaktion anregen, zum Spielen einladen, Viralität erzeugen oder Transparenz stiften. Agenturen sollen nicht nur Ideen haben. Sie sollen digital vernetzte Kommunikationsprodukte designen mit denen sich Menschen freiwillig beschäftigen. Kurz und knapp: Ideen sollen Menschen begeistern! Und die Umsetzung soll so superf*ckingawesome sein, dass man es an alle Freunde weiterschicken.

Aber wie plant man das strategisch?
Eine Antwort darauf konnte der Barcamp Nachmittag nicht liefern.
Wäre wohl zuviel erwartet ;-)

Dafür gab es angeregte Sessions zu vielen Aspekten, die zur Awesomeness gehören oder dahin führen. Das Themenspektrum reichte von Internet-Memen, Plattformen, Frauen über das "Digitalisierte Ich" bis hin zu Fragen nach neuen Wegen der Kollaboration oder der Neuerfindung des Creative Brief.


(Sessionplan)

Für mich ist die Themenplanung das wirklich Besondere an einem Barcamp. Im Gegensatz zur Konferenz bringen die Teilnehmer selber Themen mit, die sie der Gruppe zur Session anbieten.
Finden sich Intressenten wird das Thema gemeinsam behandelt.

Das verhindert langweilige Powerpoint-Schlachten, nimmt allerdings die Teilnehmer in die Pflicht für die Ergebnisse ihrer Diskussionen selbst zu sorgen. Bei einem Barcamp lautet die wichtigste Regel: Man bekommt nur etwas raus, wenn man etwas reinsteckt oder mindestens die Offenheit mitbringt, seine Inspirationen in einer Diskussionen selbst zu suchen.

(Barcamp Session zur "Klugen Kooperation")

(Ergebnis der Session: Was ist Superf*ckinawesome für Frauen)

Daneben finde ich es großartig, dass sich über die Barcamp-Atmosphäre oftmals ein Dialog auf Augenhöhe einstellt. Das Barcamp macht es möglich, dass nicht nur gestandene Strategen wie Nina Rieke (doubleshift), Achim Rietze (LLR Hamburg), Thomas Zervos (JvM) oder Christian Vatter (Musiol Munzinger Sasserath) für ihre Themen ein Forum bekommen. Auch zwei furchtlose Praktikanten von DDB Tribal haben erfolgreich eigene Sessions angeboten.

In einer dieser beiden Sessions ging es um den Druck "Awesome" sein zu müssen. Diesen Druck spüren besonders junge Studenten und fragen sich, wie man später im Berufsalltag damit umgeht. Für mich war diese Session sehr fruchtbar. Im Zuge der Session wurde immer deutlicher, dass nicht nur Studenten diesen Druck verspüren sondern auch Marken. Beide fürchten um den Erfolg ihrer Identität, vergleichen sich daher ständig mit Konkurrenten und suchen nach erfolgreichen Strategien.

Aus der Lebenserfahrung würde ich einem Studenten immer raten, die Vergleiche zu minimieren und eine andere Haltung zum Druck zu entwickeln. Wenn es gelingt den Druck ins Positive zu kehren, motiviert er schließlich. Allerdings ist eine neue Haltung immer mit einem Wechsel der Position verbunden. Und solange Menschen wie Marken versuchen sich mit ihrem Identitätsbild wie ein Fixstern im Markt fest zu positionieren, sind sie zu sehr mit dem Verteidigen dieser Position beschäftigt. Der Druck wird so zur Qual in einem Marktumfeld, dass immer Flexibler wird. Eine Haltung oder Mission hingegen macht es einfacher sich weniger an anderen zu orientieren und eigene Nischen zu entwickeln. Ein Gedanke den ich für das Planning in nächster Zeit vertiefen möchte.

(Zum Abschluss wird gegrillt)

Seinen krönenden Abschluss fand das Barcamp im gemeinsamen Grillen und Insight-Karaoke spielen. Das Spiel von Tim Keil funktioniert so: Man bekommt einen wirklich schrägen Tv_Spot gezeigt. Dann muss man aus dem Stehgreif dem Publikum erklären, welcher Insight diesem Spot Wirkung verleiht. Vor allem die großartige Auswahl absurder Commercials aus der ganzen Welt hat das Insight Karaoke zum Highlight gemacht.

Mir hat der Tag großen Spaß gemacht. Ich freue mich auf das nächste Planning Barcamp 2012 und auf jeden, der Lust hat in die Orga einzusteigen.

Montag, 11. Oktober 2010

Digital Film Camp: Unternehmergeist, Audience Builiding, Crowdfunding und Social Media

Ich war am vergangenen Freitag spontan auf dem DigitalFilmCamp im Rahmen des Filmfestes. Seltsamerweise wurde die Veranstaltung in diesem Jahr unter dem Titel "GreenCamp" im Programm geführt. Offiziell es sollte um Crowdfunding und Enviromental-Films gehen. Doch Umweltfilme wurden nur am Rand diskutiert.

Meine Vermutung ist, dass die künstliche Titel-Konstruktion ein nötiger "Kniefall" vor dem diesjährigen Oberthema des Filmfestes war, um an eine kleine Förderung kommen. Und ich bin mir sicher, dass der missverständliche Titel dazu geführt hat, das das DigitalFilmCamp bei weiten nicht so gut besucht war, als im vergangenen Jahr.

Eigentlich schade - denn die vier Gastredner aus Finnland, Schweden und Spanien hatten wirklich spannende Dinge zu erzählen. Als Filmemacher haben sie alle die Regeln der Filmbranche hinter sich gelassen und dank Social Media eine Community aufbauen können, die ihre Filmprojekte zum Teil mitfinanziert.

Den Einstieg machte Michael Gumpelmaier, Gründer des Portals Filmtiki.com. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Social Media Marketing für Filmprojekte und schreibt einen Blog mit vielen Links und Case-Studies: http://gumpelmaier.net/2010/10/08/green-camp-hamburg-alternative-filmfinanzierung-via-web-2-0/

Nach ihm berichteten Jarmo Puskala und Pekka Ollula aus Finnland über ihr Filmprojekt IRON SKY. Sie starteten mit der schrägen Idee einen ironischen SciFi-Film über Nazis zu machen, die 1945 auf den Mond geflüchtet sind und 2018 die Erde zurück erobern wollen.



Und dank der Resonanz im Netz ist daraus das zweitgrößte Filmprojekt der finnischen Geschichte geworden. Vom ersten Moment an nutzten Sie Social Media, um sich mit allen Menschen zu vernetzen, die sie für diese Idee begeistern konnten.
Und das sind mehr als sie je erwartet haben: Der aktuelle Teaser-Trailer hat die 1.000.000 views auf Youtube beinahe geknackt. Götz Otto wurde als Hauptdarsteller verpflichtet und mit ihrer dialogorientierten Kommunikation über Website, Email, Youtube, Facebook und Twitter erreichen sie 150.000 Menschen pro Woche. So haben sie es geschafft, dass sie mit etwa 1.000.000€ von der Community unterstüzt zu werden - immerhin knapp 1/6 des Gesamtbudgets.
Dieser Erfolg gründet sich vor allem auf Zeit und harte Arbeit. Mindestens drei Personen seien in Vollzeit damit beschäftigt, die Social Media Kommunikation zu pflegen. Aber auch alle anderen an der Produktion beteiligten, seien indirekt immer ins Marekting eingebunden: "Everything you do online is marketing", sagte Jarmo. Er erinnerte aber auch daran, dass es nicht nötig sei mit Social Media jeden zu erreichen. Es ginge weniger um Reichweite, als darum die begeistertsten Fans zu finden und als Fürsprecher zu gewinnen und zu verstehen, dass alles was man über den Film berichtet auch ein Teil der Geschichte ist.

Seine Präsentation ist ziemlich Aufschlussreich:


In der anschließenden Diskussion gaben die Beiden ganz offen zu, dass es hilft, wenn man eine bereits existierende Community wie Science Fiction-Fans ansprechen kann. Auch sei der Kern ihrer Community bereits während der Dreharbeiten zu ihrem ersten Film StarWrek entstanden.



Die StarTrek Parodie entstand ohne Budget und mit einer Produktionszeit von sieben Jahren. Viele Fans stammen noch aus dieser Zeit und begleiten die Filmemacher seit vielen Jahren. Und das Produktionsteam sucht aktiv die Hilfe der Fans, bei allen offenen Fragen jenseits des Plots. So habe die Fanbasis wichtige Produktions-Fragen gelöst ("Wie sieht eigentlich zerschossenes Metall aus?") und sogar einige Trailer produziert. Für solche Fragen haben sie die Plattform Wreckamovie.com gegründet. Hier können Filmemacher ihre Filme einstellen und die Community bitten, sie zu kommentieren.

Neben den Zahlen teilten die Beiden auch sehr persönliche Geschichten. Vor allem Schmerze sie mit dem Vorwurf des Sell-Outs konfrontiert zu werden, sagte Jarmo. Um so schöner sei es mitzubekommen, dass die Community neue Freundschaften ermögliche. Doch die größter Angst bleibe, dass der Film nicht den Erwartungen der Fans gerecht werde. Denn was letztlich zähle sei die Story.

Eine anderen Weg ist die junge schwedische Filmemacherin Hanna Skøld gegangen. Um ihren ersten Film Nasty Old People hat sie einen Kredit von 10.000e aufgenommen - doch wie sollte sie das Geld wieder zurückzahlen, wenn niemand den Film sehen kann. Deshalb hat sie ihren Film unter Creative Commons Lizenz gestellt und sich an das Bittorrent-Portal Pirate Bay gewendet. Pirate Bay, die wegen der Verteilung von illegalen Filmkopien unter Beschuss der Filmindustrie stehen, haben den Film auf der Startseite als Download präsentiert. In den ersten fünf Tagen wurde der Film 16.000 Mal runter geladen. Und die plötzliche Begeisterung führte dazu, dass Hanna Skøld ihren Kredit über die Spenden der Zuschauer zurück zahlen konnte, die ihren Blog besucht haben. Und ein Jahr nach der "Premiere" auf Pirate Bay hat das schwedische Fernsehen den Film ausgestrahlt.

Die radikalste Strategie stellte Nicolás Schächter aus Spanien vor. Er arbeitet an einem Film über die vergessenen Kosmonauten der frühen Weltraumära. Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase und ist von der festen Überzeugung geprägt, dass nicht der Content zähle, sondern das Erlebnis mit dem Content.

"El Cosmonauta" Teaser 1 (ESP) from Riot Cinema on Vimeo.


Digitale Inhalte seien durch das Netz sowieso zu jederzeit frei verfügbar und beliebig kopierbar. Weil es keinen Sinn mache, digitale Inhalte künstlich zu verknappen, plant er den Film mit einer Creative Commons Lizenz versehen und auf allen Kanälen gleichzeitig zu distribuieren.


Auch das Drehbuch ist im Volltext bereits online. Das raubt dem Film keinesfalls die Spannung, denn die Kommentare, der wenigen Fans, die es wirklich gelesen haben, hätten es wirklich besser gemacht.

Dem Kino komme dabei die Sonderrolle zu, zur Eventfläche zu werden. Die Rezeption des Films könnte zu einem Happening mit Party werden, oder zum Abschluss eines Alternate Reality Games. Deshalb setzt er viel auf transmedia storytelling und will den Kosmos des Films mit Comics, Events und anderen Medien ausdehnen. Denn in seinem Verständnis geht es nicht um die 90min Film am Ende - er sieht sich als Storyteller, der ein Erlebnis schafft.

Allerdings gab er auch offen zu, dass es schwer falle, mit ihrem radikalen Konzept finanzkräftige Unterstützer zu finden. Doch er sieht es positiv: Es werde viel geredet über transmedia und social media, aber ausprobieren müssten die unabhängigen Macher, die finanziell alles riskieren. Und wenn sie Erfolg haben, dann springen alle anderen auf.

Und ganz egal, ob Iron Sky oder Cosmonaut ein Erfolg an der Kinokasse werden, von dem Machergeist kann man schon jetzt den Hut ziehen und wünscht sich, er würde in andere Kreativbranchen einziehen.

Montag, 20. September 2010

Kernbotschaft vs. Reason to Care

Auf dem Planning Barcamp im August gab es eine spannende Disskussion darüber, mit welchem Briefing man Kreative auf die richtige Spur bringt. Eine Idee war, Kreativen nicht nur eine Kernbotschaft mit auf den Weg zu geben, sondern auch den Grund zu nennen, warum sich Menschen für die Komunikationsideen interessieren sollten. Tim Keil von Phillipp und Keuntje schlug vor nach dem "Reason to Care" zu suchen.

Sozusagen als Nachklapper zum Barcamp haben sich Nina Rieke, Michaela Jausen und ich das Thema noch mal vor die Brust genommen. Wir drei haben unsere Perspektive auf den "Reason to Care" formuliert und veröffentlicht - in der Strategy Corner des Strategieverbands apg die im BranchenMagazin New Business erscheint.

Hier der Link:

http://www.apgd.de/wp-content/uploads/2010/09/100920-stratcorner.pdf

Als ich meinen Teil des Artikels geschrieben hatte, war mir vor allem eines klar: Ganz durchdringen lässt sich das Thema auf einer halben Seite nicht. Wer also Lust hat zu diskutieren oder mir mich zu meiner Perspektive befragen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.

Dienstag, 31. August 2010

Rückblick auf das zweite Planning Barcamp

Am vergangenen Freitag hatte ich das große Vergnügen das zweite Planning Barcamp in der Good School zu moderieren. Zu meiner großen Freude ist der Zuspruch nach der kleinen Premiere im letzten Sommer in diesem Jahr enorm gewachsen.

Über 40 Marken und Kommunikations-Strategen sind der Einladung von mir und dem Strategieverband apg (*der die Veranstaltung großzügig unterstützt hat* ) gefolgt, um über neue Kontexte zu diskutieren, die Marketing, Werbung und PR derzeit prägen. Dabei waren nicht nur die großen Hamburger Agenturen vertreten. Die Teilnehmer waren aus ganz Deutschland, Österreich und den Niederlanden angereist und haben das Programm des Nachmittags selber gestaltet.

Einige Teilnehmer hatten bereits im Vorfeld ein Thema angekündigt, andere erklärten sich spontan bereit eine Diskussion zu leiten. So hat sich ein überraschendes und facettenreiches Programm entwickelt, das von einer Studienanalyse zur Mediennutzung über eine spannenden Case Studies ("Wie arbeiten die Kontexte Radio und Social Media miteinander.") bis zur kritischen Betrachtung der Begriffe Markenmanagement und Kreativität sowie zum Ausrufen einer gemeinsamen Planning Revolution, durch Steffen Stäuber (Innovationsmanager bei SinnerSchrader), reichte. Er lud die Teilnehmer gleich in eine neue Facebook-Gruppe ein, um revolutionäre Pläne zu spinnen.


Daneben wurden auch ganz praktische Aspekte der Planning Arbeit angesprochen. Tim Keil, Stratege bei Philipp und Keuntje wagte die These, das sich der "zentrale Satz" im postdigitalen Kreativbriefing überlebt hätte. Statt einen Satz zu formulieren, der beschreibt, was eine Zielgruppe nach einer Kampagne denken solle, sollten Planner mehr Zeit auf darauf verwenden sich zu fragen, warum die Kommunikation Menschen interessieren solle. Man brauche neben einer Message auch einen "Reason to Care". Und dieser "Reason to Care" lässt sich nur finden, wenn man die Lebenskontexte von Menschen genau kennt.

Einen ganz anderen Kontext stellte Jeremy Abbett, Kreativdirektor bei TribalDDB in Hamburg vor. In seiner Präsentation "Midwest is best" folgte er dem Gedanken, ob die besondere Lebensqualität in Minnesota dafür verantwortlich sei, dass gerade dort drei der erfolgreichsten Planner arbeiten. Von Ihnen hat er sich auch gleich ein paar Tipps für die Teilnehmer geben lassen.
Doch nur ein Thema durchzog konstant die Diskussionen als das gemeinsame Networken am Abend: Der Wunsch und der Wille nach Veränderung.

Immer wieder wurde ein gefühlter Innovations-Stau in der Agenturlandschaft artikuliert, der nicht nur die Kreativität und den Mut zu neuen Herangehensweisen im digitalen Zeitalter betrifft. Auch über Arbeitsprozesse, Ausbildung und Management Overheads und Kundenführung wurde so angeregt gestritten, dass Thomas Wagner in einem ironischen Tweet bereits von einer Therapiesitzung sprach.

Ob die Reaktion der Kommunikationsbranche nun in Schnellbooten, Network-Agenturen, Freelancing oder Creative Business Consultants liegt, blieb allerdings weiter offen. Ein Innovationsknoten platzt letztlich nicht durch Reden, sondern durch Handeln. Und in welchem Kontext man arbeiten, wirken und seine Spuren hinterlassen möchte, ist am Ende immer eine persönliche Entscheidung. Deshalb brachte es @NicoHerzec in einer unnachahmlich direkten Art auf den Punkt: "Take your decision and don't bitch about it".



Einen Rat, den sich mancher lautstarker Twitter-Prediger aus der Marketingwelt zu Herzen nehmen sollte.

Mir hat die Organisation des Barcamps großen Spaß gemacht. Mit viel positivem Feedback im Rücken freue ich mich, die dritte Session auf den Weg zu bringen. Dann mit dem Ziel ein wenig mehr Barcamp Atmosphäre zu schaffen. Und wenn der Zuspruch so bleibt, werden wir wohl einen zweiten Raum dazu buchen müssen.



GANZ besonderer Dank geht an Michaela Jausen von TribalDDB und Martin Klümper von LeagasDelaney in Hamburg. Ohne ihren Support bei der Organisation hätte das Barcamp nicht stattfinden können.

Alles weitere zum Barcamp gibt es auf unserer Facebook-Seite. Ich freue mich dort auf Feedback und Anregungen zur Veranstaltung.




Donnerstag, 1. April 2010

Rettet unser Zweites... | Fernsehen der Zukunft

Am vergangenen Dienstag hatte ich das Glück an einem sehr spannenden Workshop zur Zukunft des Fernsehens teilzunehmen.

Willms Buhse (@ahoibrause) und Jörn Hendrik Ast (@jormason) von doubleYuu haben eine Hand voll Digital Natives aus den Reihen der DNA-Digital Initiative und mich eingeladen um zusammen mit Martin Fisch, aus der Abteilung "Digitale Strategien" des ZDF zu diskutieren, wie sich unsere TV-Gewohnheiten verändern.

Mit dem Workshop hat sich die Gruppe auf ein Treffen mit dem Management des ZDF am kommenden Donnerstag vorbereitet, an dem ich per Skype teilnehmen möchte.



In zwei Arbeitsrunden haben wir in Kleingruppen versucht, ganz unrepräsentativ unsere persönliche Wahrnehmung des Fernsehens und natürlich des ZDF aufzuzeichen. Manuel Schmutte (@schmutte), Daniel Harbeck (@dharbeck) und ich haben dabei diese kreativ wirkende Flipchart gestaltet.


Der iPhone-Kamera sei Dank, dass man nicht mehr lesen kann. Aber die wichtigsten Punkte unserer Diskussion gliederten sich in vier Cluster:

1. So glotz ich heute.

Wir haben festgestellt, dass wir Fernsehsender ( und ganz besonders das ZDF) gar nicht mehr als Sender wahrnehmen. Eigentlich verknüpfen wir nur noch einzelne Programminseln mit dem Kanal, so wie Wetten Dass?, Terra X oder die Mainzelmännchen.
Insgesamt fanden wir unseren Konsum recht selektiv und mit einem starken Wunsch ausgestattet, unsere Lieblingssendungen auf Abruf sehen zu können.
On Demand, wie man im TV Geschäft sagt.

2. Warum on-demand

Der Wunsch nach mehr On-Demand Fernsehen kam nicht auf, weil Daniel und Manuel aus Versehen ein Maxdome-Abo abgeschlossen haben. (Sorry, das muss an die Öffentlichkeit).
Hauptgrund für uns ist gewesen, dass wir nicht auf die neuen Folgen der amerikanischen Lieblingsserie ein Jahr warten wollen, um sie dann meist schlecht synchronisiert nachts im Programm zu suchen. Vor dem Internet ist einem das komischerweise nicht aufgefallen. Man wusste schlicht nicht, was in Amerika lief. Heute zwingt das Wissen über gute Serien den begeisterten Fan quasi die Illegalität bei Kino.to. Unser Hoffnungsschimmer: Vielleicht kauft man Serien irgendwann direkt beim Produzenten.

3. Tendenz - Wohin gehts.

Die Tendenz der Medienentwicklung haben wir mit dem Satz "Ein Screen ist ein Screen" zusammengefasst.
Wir möchten selbst entscheiden, was auf dem Bildschirmen sehen ist. Und so sind wir darauf gekommen das Fernsehen mit "iTunes" zu vergleichen. Mit dem Apple Musikprogramm kann man seine eigenen Playlists erstellen, aber auch linear ausgestrahle (Radio-)Streams hören oder die Auswahl an Titel in Genius-Modus von einem Rechner bestimmen lassen. Warum sollte der Fernseher der Zukunft das nicht auch können.

Am Ende waren wir uns einig, dass es gar nicht so sehr um den Inhalt geht, sondern vielmehr um das Erlebnis mit dem Inhalt.

Je nachdem welches Erlebnis ich anstrebe, möchte ich mich entweder voll auf einen Film konzentrieren oder parallel mit Freunden twittern oder surfen. Dabei ist Social Media beim Fernsehen eine virtuelle Erweiterung des 'zusammen-vor-der-Glotze-sitzens'. Wenn Männer bei Pizza und Bier Rambo sehen, spielt Sylvester Stallone auch eine untergeordnete Rolle. Er ist nicht mehr Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern das Lagerfeuer. Er gibt den Grund sich um die Flimmerkiste zu scharen. Es geht also gar nicht darum, ob man Fernsehen jetzt aktiv oder Passiv konsumiert und was besser ist. Man swiched einfach im Grad der Partizipation hin und her, so wie man sich in eine Unterhaltung einklingt oder ausklinkt.

4. Warum ist das so?

Der fließende Wechsel zwischen lean forward und lean backward ist bei mir jedenfalle eine aktive, wenn auch manchmal unbewusste Entscheidung. Sie ist abhäng davon, was er erleben möchte. Und vom Erlebnisinteresse leitet sich auch die Relevanz eines Inhaltes ab.
Denn ich denke ein Inhalt ist nicht per se relevant. Er ist nur so wichtig, wie ein Zuschauer ihn empfindet, aufgrund seiner individuellen Ansprüche.

Deshalb kann es einen Sender (wie das ZDF) schnell enttäuschen, wenn er Sendungen von der hohen Quote abgeleitet für relevant erklärt, auf Facebook bringt. Denn Relevanz kann man einem Inhalt in vielen verschiedenen Graduierungen verleihen. Und selbst wenn viele Menschen die Sendung am Samstag abend sehen und unterhaltend finden, müssen noch nicht alle automatisch "Wetten Dass?" für persönlich so relevant halten, um sich auf einer Facebook-Seite zu engagieren.

(In einem anderen Post habe ich darüber geschrieben, wie wenig Kinobesucher zu Facebook-fans geworden sind: hier weiterlesen)

Und eben weil man nicht von der Quote direkt auf die soziale Relevanz (also das Bedürfnis sich mit einem Inhalt weiter und vor allem in Social Media auseinanderzusetzen ) schießen kann - ist der Sender gezwungen so viel wie möglich auszuprobieren. Wenn es zu vielen Sendungen Social Media Verlängerungen gibt, wird man schnell feststellen, welche Sendungen die größte Fan Relevanz haben.

Doch um Neues auszuprobieren, braucht man vor allem Ideen.Von denen sollen möglichst viele in dem kommenden Management-Treffen diskutiert werden. Deshalb ist aus dem Workshop heraus eine Facebook-Seite entstanden, auf der jeder seine Wünsche an das ZDF richten kann. Sie heißt: Rettet unser Zweites. Und jeder ist eingeladen mitzumachen.

Freitag, 2. Oktober 2009

Viel Optimismus wenig Antworten. Das erste Digital Film Camp in Hamburg.

Ich war heute nachmittag beim ersten Digital Film Camp im Haus 73 in Hamburg. In sehr angeregter Runde diskutierten Filmemacher, Vermarkter und Web2.0 Nerds , im Rahmen des Filmfest Hamburg, wie Social Media das Filmgeschäft verändert.


Leider habe ich die Session zu neuen Erzählmodellen verpasst. Aber ich kam noch rechtzeitig um im Block 'Social Media' mit zu diskutieren. Natürlich standen auch auf dem Digital Film Camp die ewigen zwei Fragen im Vordergrund:

- Wie vermarkte ich meinen Film im Social Web?
- Wie werden sich die Finanzierungemodelle für Filmemacher ändern, wenn TV und Kino an Relevanz verlieren?

Die Diskussion über 'Social Media Filmmarketing' hat für mich zu diesem Ergebnis geführt: Wenn der Film erst nach seiner Fertigstellung vermarktet wird, braucht man eine gute Buzz-Idee, um ihn in Social Networks bekannt zu machen. Das unterscheidet sich von klassischer Werbung eigentlich nur insofern, dass man statt auf ein Plakat auf Facebook setzt, mit dem Risiko ungehört zu bleiben.

Die Chance auf Erfolg in der Social Media Sphäre ist laut den Einschätzungen aus dem Podium größer, wenn man von der ersten Drehbuchseite an, beginnt über seine Arbeit in Blogs und Netzwerken zu berichten, sich mit Multiplikatoren austauscht und Filmschnippsel zur Verfügung stellt.

Dann kann es gelingen bis zur Fertigstellung des Films eine "angefixte" Fangemeinde aufgebaut zu haben, die das Werk unbedingt sehen möchte. Jedoch könne man am ehesten Fans gewinnen, wenn man sich mit seinem Stoff an eine bereits bestehende Fancommunity andockt. Als Beispiel wurde die österreichische Dokumentation Sneaker Stories genannt. Sie wurde in engem Kontakt zu der Turnschuh-Enthusiasten-Szene entwickelt wurde.
(Randnotiz: Wie eng die Verbindung zwischen Fan-Community und Blockbuster-Filmen sein kann, zeigt MIT Prof. Henry Jenkins am Film District 9)

In Sachen Finanzierung herrschte Ratlosigkeit gepaart mit Optimismus. Filmemacher seien schließlich Selbstausbeutung und unsichere Finanzierungen gewohnt. Das Internet eröffne mit Imagefilmen, Branded Entertainment oder der einen Start-Up-Idee, wie der Videonachhilfe "Sofatutors" , sogar neue Erlösmöglichkeiten.

Besonders heiß diskutiert wurde die Idee, Filmportale unter dem Label einer Zeitung aufzubauen, deren Marke bereits für eine gewisse Qualität steht. Aus der Cinemathek der Süddeutschen Zeitung könnte eine Online Plattform für jungen deutschen Film entstehen.

Da aber weder Video on Demand noch Per per View vom Podium als funktionierende Bezahlmodelle angesehen wurden, richtete sich der Blick auf das Crowd Funding. Der Film "Iron Sky" versucht seine Finanzierung zu sichern, indem Fans, die den Film sehen möchten, der Produktionsfirma im Vorfeld 10$ über das Internet spenden.



Wie auch bei der Social Media Vermarktung scheint wieder die Fan-Community der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Das stimmt mit der These überein, die Marketing-Guru Seth Godin in seinem Buch Tribes vertritt: Künftig kauft man entweder teuer kurzfristige Aufmerksamkeit für ein Produkt ein oder man baut sich langsam aber stetig einen eigenen Stamm (Tribe) an Fans auf, die man bedient.

Donnerstag, 17. September 2009

Scoopcamp - Journalismus im Auswanderermuseum

Ich war heute auf dem Scoopcamp der dpa und hamburg@work. Die Veranstaltung hat mich wirklich inspiriert. Vielen Dank an die Organisatoren und an meine Kollegen von Faktor 3, die Planung und Eventmanagement gewuppt haben.

Der Kongress hat Journalisten und Web2.0 Entwickler zusammengeführt. In Workshops und Podien haben sie diskutiert, welche neuen Möglichkeiten das Web bietet, um Informationen und Geschichten attraktiver zu vermitteln.

Dem Schritt in die Onlinewelt angemessen, fand das Scoopcamp in der Ballin Stadt, dem Hamburger Auswanderermuseum statt. Und zufällig stand an der Wand des Museums sogar das Motto der Veranstaltung: "Haben Sie eine Geschichte?".

Allerdings ist der Artikel längst nicht mehr die einzige Form eine journalistische Story aufzubereiten. Geschichten sind heute auch interaktive Datenreisen. Das hat Adrian Holovarty in seiner Eröffnungskeynote gezeigt.

Der Amerikaner Holovarty bezeichnet sich selber als einen Journalisten, der seine Geschichten über Programmierung erzählt.

Sein Ansatz: Er betrachtet Geschichten nicht als einen abgeschlossenen Text. Für ihn ist eine Story ein Datensatz aus Ortsangaben, Personenangaben, Uhrzeiten etc..
Wenn diese Daten miteinander vernetzt werden, machen sie dem Nutzer nicht nur neue Aspekte eines Themas ersichtlich. Sie lassen sich immer wieder interaktiv zu neuen Geschichten bzw. Nachrichten visualisieren und sortieren.

Die Datenverwaltung macht es sogar möglich, Geschichten nachzugehen, die nur eine Hand voll Leute interessieren. So können Medien den Longtail des Journalismus erschließen.

Hier spricht Adrian über seine Vorstellung des Journalismus:



Am greifbarsten werden seine Ideen jedoch, wenn man durch sein Projekt Everyblock.com surft.



Everyblock.com ermöglicht es den Nutzern, sich Nachrichten (wie Verbrechensmeldungen) nachbarschaftsbezogen anzeigen zu lassen. Dazu zapft die Seite z.B. automatisch veröffentlichte Polizeidaten an.


Die klassischen Zeitungen hingegen sind, so Adrian sinngemäß, gewohnt diese Daten in abgeschlossene Artikel einzukapseln. Die Redaktionen haben noch nicht verstanden, dass es nicht darum geht ihre Inhalte online zu stellen. Erst die computergestütze Vernetzung von Daten und Artikeln schafft Mehrwerte für den Leser/Nutzer/Zuhörer/Zuschauer/ Bürgerjournalisten.

Als ersten Schritt empfiehlt er den Zeitungsmachern, sich von der Vernetzungsfülle bei Wikipedia oder der Internet-Movie Database inspirieren zu lassen. Dort sind alle Beiträge mit weiterführenden Informationen verlinkt. Der nächste Schritt kann dann sein, Daten durch Computerprogramme zu sammeln, damit sie in Infografiken überführt werden, bzw. auf Karten lokalisiert werden können.

Als Beispiel zeigte er die Seite "Faces of the Fallen" der Wahington Post. Hier sind die Schicksale der im Irak gefallenen US Soldaten gesammelt und interaktiv aufbereitet werden. Welchen Informationsgehalt allerdings ein RSS-Feed hat, der sich bei jedem Todesfall aktualisert, ist mir schleierhaft.

Der neue Journalist, so das sein Fazit, sei also kein Schreiber sondern ein Programierer. Er recherchiert nicht mehr. Statt dessen aggregiert er Daten und übt seine redaktionelle Kompetenz aus, indem er entscheidet nach welchen Kriterien die Daten sortiert werden sollen.

Wie dieser neue Journalismus nun im Detail aussieht wurde in den Workshops zu Hyperlokalität, Infografiken und User Generated Content debatiert.

Mich haben zwei Dinge an seinen Ausführungen, den Reaktionen des Publikums und den Gesprächen in den Workshops verwundert:

1. Die Verlagswelt scheint erst 2009 zu erkennen, dass sich Texte im Web verlinken lassen. Bis vor kurzem konnte das Redaktionssystem der dpa keine Links verarbeiten, die länger als 60 Zeichen sind. Das hat der stellvertretende Chefredakteur der dpa zugegeben.

2. Als nicht Journalist verstehe ich die komische Debatte um den Tod des Artikels nicht. Der Artikel wird nicht sterben wird. Er muss sich lediglich als Text öffnen und mit anderen Informationsdarstellungen vernetzen. So wie heute ein Bild zu den meisten Artikeln gehört, sind es morgen Links, Videos sowie interaktive Datenvisualisierungen und Karten.

Wahrscheinlich wird der Artikel sogar in Zukunft wichtiger! Denn erst die redaktionelle Kompetenz des Journalisten, schafft den nötigen Kontext für die Datenvisualisierungen und Lokalisierungen. Das ist wichtig, denn diverse medienwissenschaftliche Forschung weist darauf hin, dass Nutzer Infografiken, Kurven und Landkarten niemals neutral interpretieren können.

Montag, 24. August 2009

Rückblick auf das erste Planning Barcamp

Am vergangenen Freitag fand das erste Hamburger Planning Barcamp in der Miami Ad School statt. Die Idee hatte ich mit einem Freund im Frühjahr entwickelt und mich anschließend neben dem Job in die Organisation geworfen.


Um so gespannter habe ich dem letzten Freitag entgegengefiebert, der ohne die Unterstützung der Veranstaltungspartner nicht stattgefunden hätte. DRAFTFCB hat das Catering übernommen, die Miami Ad School hat kostenfrei einen Raum gestellt und meinem Arbeitgeber Faktor 3 hat mir die nötige Zeit für die Organisation eingeräumt. Vielen Dank dafür!

Das erste Planning Barcamp stand unter dem Motto "Denken dürfen". Vierzehn Planner aus Hamburger Agenturen haben bis in den späten Nachmittag angeregt und über Hierarchieebenen hinweg über Denkfehler, Denkblockaden, Fehlerkultur, Marktforschung, Inspiration und die Agentur der Zukunft diskutiert. Ihr Feedback auf die Veranstaltung war durchweg positiv.

Ich selber habe in meinem kurzen Vortrag gezeigt, wie sich Erfahrungen aus der Kampfkunst Aikido auf das Konfliktmanagement im kreativen Prozess beziehen lassen.

Die Veranstaltung habe ich zusammen mit Martin Klümper auf einem Liveblog dokumentiert. Dort werde ich in den nächsten Tagen auch kurze Videobeiträge von den Teilnehmern einstellen.

Einziger Wermutstropfen des Veranstaltungstages: Einige angemeldete Teilnehmer haben sehr kurzfristig abgesagt. Immerhin haben sich alle persönlich abgemeldet.

Alles in allem hat mir die Organisation des Barcamps großen Spass gemacht. Und ich habe einiges daraus gelernt:

Die Idee, dass jeder Teilnehmer einen Kurzvortrag zum Barcamp mitbringt hat sich bewährt. Sie mag zwar eine Hürde für einige der Teilnehmer gewesen sein, die kurzfristig abgesagt haben. Dennoch haben die Kurzvorträge die Veranstaltung belebt und zu ehrlichen Diskussionen geführt, die auf Konferenzen eigentlich immer ausbleiben.
Allerdings ist mehrfach der Wunsch geäußert worden, dass Thema des Barcamps beim zweiten Mal weniger offen zu gestalten.

Die gewonnenen Erfahrungen lasse ich jetzt erstmal sacken, bevor ich das nächste Barcamp im kommenden Frühjahr angehe. Dann inklusive einer eigenen Mixxt Community.


Freitag, 3. Juli 2009

Kreativitätsdiskussion mit einer einfachen Wahrheit - Mein Ergebnis vom Addcamp Frühstück





Am 25. September findet das ad(d)camp Hamburg statt, dass sich mit der Zukunft der Werbebranche beschäftigt. Bereits heute morgen haben sich interessierte Werbe- und Marketingleute zur Ouvertüre im f&b Deli am Pferdemarkt getroffen.
Beim Frühstück wurden erste Themen diskutiert, Kontakte geschlossen und die Sessions für Veranstaltung im September vorbereitet. Ich selber konnte nur gute neunzig Minuten dabei sein. Die waren dafür um so inspirierender.

Ich habe ein langes Gespräch mit Dorothee Wolter über die Kreativität in der Branche und kreatives Arbeiten geführt. Sie ist Geschäftsleiterin der Postproduktion Optix. Darüber hinaus hat Sie zusammen mit einem Freund ein Buch über eine Reise nach Südafrika geschrieben, die Sie nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten haben.
Das Interessante an der Entwicklung diesen Buches ist, dass es nie für eine Veröffentlichung geplant war. Es ist aus einem Blog entstanden, den die Beiden für ihre besorgten Freunde zuhause geführt haben. Und nur die Ehrlichkeit der Texte, so glaubt Dorothee Wolter, hat den Blog über ihre Freunde hinaus so bekannt gemacht, dass eines Tages der Rowohlt Verlag anrief.

Diese Geschichte gab der Diskussion eine entscheidende Wendung, nachdem wir zuvor die üblichen Hindernisse kreativen Arbeitens abgehakt hatten (enge, hierachische und mechanistische Strukturen, übertriebe Mafo, Prinzipal Agent Situationen).

Wir kamen zu dem Schluss: Das größte Hindernis für kreatives Arbeiten ist der Wille, es allen Recht zu machen.

Darunter leiden sowohl Produktforschung als auch Marketingstrategien, wenn sie versuchen direkt für den Massenmarkt zu konzipieren. Das führt aus Angst vor Ablehnung, Versagen, Kündigung schnell in eine Innnovationsblockade. Die Gefahr wächst, dass man sich in unendlichen Abstimmungsrunden und Befragungen verzettelt, bis von der Idee nichts mehr übrig ist. Und als Ausweg neigt man schnell dazu, das Erfolgsrezept eines anderen zu kopieren in der Hoffnung, dass es noch einmal gelingt.

Jedoch kann die Umkehrung dieses Prinzips nicht lauten, es keinem außer sich selbst Recht zu machen. Denn mit dieser egozentrischen Sichtweise, entzieht man sich der Möglichkeit zum Austausch, zum Lernen und zur Kooperation.

Der dritte Weg ließe sich dann so beschreiben:
Mach das, woran du glaubst, für Wenige aber mit allem Engagement, dann können viele kommen - oder auch nicht (denn Scheitern gehört leider zum kreativen Arbeiten dazu).

Das klingt zwar reichlich esoterisch und erfordert viel Mut.
Es ist jedoch ein Hinweis, der sich auch in vielen Ratgebern gegen Schreibblockaden befindet. Sie empfehlen beim Schreiben die vier Personen vor Augen zu haben, denen man vertraut, dass sie den Text wohlwollend, wenn auch ehrlich kritisch lesen.

Freitag, 26. Juni 2009

Das erste Planning-Barcamp in Hamburg

Vor einiger Zeit habe ich mir in den Kopf gesetzt Barcamp zu organisieren, um mit Austausch und Inspiration gegen die allgemeine Rezessionsresignation anzugehen.

Die gute Nachricht: Das Barcamp wird stattfinden - vor allem dank der Unterstützung von DRAFTFCB, der Miami AD School, dem Strategieverband und meinem Arbeitgeber
Faktor 3.

Wer also mit mir unter dem Motto "Denken dürfen" den Kern der planerischen Arbeit durchleuchten will - kann sich jetzt anmelden: www.planning-barcamp.de