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Mittwoch, 12. Oktober 2011

Content 2020: How Coca Cola sees Storytelling in the Center of their Marketing

On Chris Schaumann's blog "Advertising 3.0" I have stumbled upon this Video by Coca Cola explaining their Content Strategies till the year 2020. It offers some very interesting ideas (and lot of buzzy sounding words ;-) ).



I really like that they still see storytelling in the center of their marketing activities. Because even
if "markets are conversations" - you need a good story to start a conversation and to keep it going. So that is not that new. But the social web - with its more direct and participatory forms of communication - forces us to remember that a great storyteller should always be able to react to his audience. Despite all the new technology an old picture comes into my mind: Think about a Bard in ancient times travelling from city to city, explaining the world through his stories. Like him a modern brand needs to tell stories while fluidly reacting to audience feedback.

This is not an easy task. Because the audience doesn't always know what it wants to hear. Or it changes his mind very quickly depending of their context of Life.
Every Bard knew that a new story always poses a threat. If the audience don't like it, they will throw tomatoes. If the King doesn't like it, you may loose your head. But telling only save (pretested) stories (those everybody likes an knew) won't make you famous. And sooner or later your stories will bore people (with the same effects : Tomatoes and Hangmens).

So striving for "Content Excellence" - telling great stories means - to be ready for an adventure. An adventure with many creative and corporate obstacles. So whoever builds such stories - he will need a lot of persistence:




Dienstag, 23. August 2011

(My) Digital Planning Basics - Miami Ad School Guest Lecture

Yesterday I gave a guest lecture on digital planning at the Miami Ad School in Hamburg. It was part of the "Planning-Bootcamp-Program" that teaches a hand full of smart students "how to become a planner" in just a couple of weeks.

The curriculum featured many ultra-experienced planners like Neil Perkin. So I decided to focus on some practical tipps the students can use to enhance their ideas and final presentations.

We have practiced a creative technique to build ideas faster. Then we have looked into some websites/tools that might inspire their research. And finally I suggested to the students, to think in "business plans" for their digital ideas to be more convincing to their clients.
And if you like my "Idea Business Plan Canvas" - you can download it HERE.

These are my slides. I'am looking forward to your feedback :-)

Sonntag, 21. August 2011

Superf*ckingawesome! - Mein Rückblick auf das dritte Planning Barcamp in Hamburg


Am letzten Freitag hatte ich bereits zum dritten Mal (nach 2010 und 2009) das Vergnügen das "Planning Barcamp" zu moderieren.

Und zu allererst geht ein großer Dank an Michaela Jausen (DDB-Tribal), an Tim Keil (Philipp und Keuntje) sowie an Alex Böhmer (Faktor 3) und Katharina Michalski (brand foresight), die mich bei der Organisation inhaltlich und tatkräftig unterstützt haben. Auch der Sponsor darf nicht vergessen werden: Ohne die großzügige Unterstützung des Verbands der Marken- und Kommunikationsstrategen (APG) hätten wir die tollen Räume des betahaus HH nicht nutzen können.

(Es wurde eng im betahaus Hamburg)

Das betahaus, als Coworking-Space, hat uns die ideale Umgebung geboten, damit sich die über 50 angereisten Marken-Strategen in 12 selbstorganisierten Sessions austauschen konnten.

Das Thema in diesem Jahr lautete "Superf*ckingawesomeness". Enstanden ist das Thema durch eine Abstimmung auf der facebook-Seite des Planning-Barcamps: www.facebook.com/planningbarcamp.

Superf*ckingawesomeness? Was soll das bedeuten?

Ich habe das Thema so für mich interpretiert: Aufmerksamkeit war gestern. Markenkommunikation will heute relevant sein, Bedeutungen schaffen, Dialog stiften, Interaktion anregen, zum Spielen einladen, Viralität erzeugen oder Transparenz stiften. Agenturen sollen nicht nur Ideen haben. Sie sollen digital vernetzte Kommunikationsprodukte designen mit denen sich Menschen freiwillig beschäftigen. Kurz und knapp: Ideen sollen Menschen begeistern! Und die Umsetzung soll so superf*ckingawesome sein, dass man es an alle Freunde weiterschicken.

Aber wie plant man das strategisch?
Eine Antwort darauf konnte der Barcamp Nachmittag nicht liefern.
Wäre wohl zuviel erwartet ;-)

Dafür gab es angeregte Sessions zu vielen Aspekten, die zur Awesomeness gehören oder dahin führen. Das Themenspektrum reichte von Internet-Memen, Plattformen, Frauen über das "Digitalisierte Ich" bis hin zu Fragen nach neuen Wegen der Kollaboration oder der Neuerfindung des Creative Brief.


(Sessionplan)

Für mich ist die Themenplanung das wirklich Besondere an einem Barcamp. Im Gegensatz zur Konferenz bringen die Teilnehmer selber Themen mit, die sie der Gruppe zur Session anbieten.
Finden sich Intressenten wird das Thema gemeinsam behandelt.

Das verhindert langweilige Powerpoint-Schlachten, nimmt allerdings die Teilnehmer in die Pflicht für die Ergebnisse ihrer Diskussionen selbst zu sorgen. Bei einem Barcamp lautet die wichtigste Regel: Man bekommt nur etwas raus, wenn man etwas reinsteckt oder mindestens die Offenheit mitbringt, seine Inspirationen in einer Diskussionen selbst zu suchen.

(Barcamp Session zur "Klugen Kooperation")

(Ergebnis der Session: Was ist Superf*ckinawesome für Frauen)

Daneben finde ich es großartig, dass sich über die Barcamp-Atmosphäre oftmals ein Dialog auf Augenhöhe einstellt. Das Barcamp macht es möglich, dass nicht nur gestandene Strategen wie Nina Rieke (doubleshift), Achim Rietze (LLR Hamburg), Thomas Zervos (JvM) oder Christian Vatter (Musiol Munzinger Sasserath) für ihre Themen ein Forum bekommen. Auch zwei furchtlose Praktikanten von DDB Tribal haben erfolgreich eigene Sessions angeboten.

In einer dieser beiden Sessions ging es um den Druck "Awesome" sein zu müssen. Diesen Druck spüren besonders junge Studenten und fragen sich, wie man später im Berufsalltag damit umgeht. Für mich war diese Session sehr fruchtbar. Im Zuge der Session wurde immer deutlicher, dass nicht nur Studenten diesen Druck verspüren sondern auch Marken. Beide fürchten um den Erfolg ihrer Identität, vergleichen sich daher ständig mit Konkurrenten und suchen nach erfolgreichen Strategien.

Aus der Lebenserfahrung würde ich einem Studenten immer raten, die Vergleiche zu minimieren und eine andere Haltung zum Druck zu entwickeln. Wenn es gelingt den Druck ins Positive zu kehren, motiviert er schließlich. Allerdings ist eine neue Haltung immer mit einem Wechsel der Position verbunden. Und solange Menschen wie Marken versuchen sich mit ihrem Identitätsbild wie ein Fixstern im Markt fest zu positionieren, sind sie zu sehr mit dem Verteidigen dieser Position beschäftigt. Der Druck wird so zur Qual in einem Marktumfeld, dass immer Flexibler wird. Eine Haltung oder Mission hingegen macht es einfacher sich weniger an anderen zu orientieren und eigene Nischen zu entwickeln. Ein Gedanke den ich für das Planning in nächster Zeit vertiefen möchte.

(Zum Abschluss wird gegrillt)

Seinen krönenden Abschluss fand das Barcamp im gemeinsamen Grillen und Insight-Karaoke spielen. Das Spiel von Tim Keil funktioniert so: Man bekommt einen wirklich schrägen Tv_Spot gezeigt. Dann muss man aus dem Stehgreif dem Publikum erklären, welcher Insight diesem Spot Wirkung verleiht. Vor allem die großartige Auswahl absurder Commercials aus der ganzen Welt hat das Insight Karaoke zum Highlight gemacht.

Mir hat der Tag großen Spaß gemacht. Ich freue mich auf das nächste Planning Barcamp 2012 und auf jeden, der Lust hat in die Orga einzusteigen.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Wie man Ideen, Innovationen, Schönheit und Talente auswählt - Eindrücke von der apg-Open Source 2011

Wie jedes Jahr steht die Jahrestagung des Verbands der Marken- und Kommunikationsstrategen (apg) unter einem Motto. Im letzten Jahr ging es um das Verkaufen. In diesem Jahr drehte sich die Veranstaltung unter dem dem Titel "Eene, meene, muh und raus bist Du – wie Selektion unser Leben, Denken und Handeln bestimmt" um die Auswahlmechanismen für Ideen, Talente, Schönheiten und Innovationen.

Mir hat die Veranstaltung durch den gelungenen Mix an Sprechern wirklich großen Spaß gemacht. Umso trauriger war ich, dass ich an der Bierverkostung (Selektion des Geschmacks) und Abendveranstaltung wegen eines anderen Termins nicht teilnehmen konnte.

Die schnellen Notizen, die ich über den Tag gemacht habe, möchte ich allerdings niemandem vorenthalten.



Thomas Osterkorn, Chefredakteur des stern, hat gezeigt, dass die Auswahl der Titelgeschichte viel mit der Erfahrung und dem Bauchgefühl der Redaktion zu tun hat. Auch wenn die Mafo genau weiß, dass der Stern von Machern, Intellektuellen und Progressiven gelesen wird und man hinterher sehr genau herausfinden kann, warum eine Titelgeschichte nicht funktioniert, bleibt die Prognose eines erfolgreichen Titels immer eine Wette mit vielen Unbekannten.



Zwei eiserne Regeln scheint es trotzdem zu geben:
Angela Merkel auf dem Titel ist die sicherste Verkaufsbremse, so Osterkorn.
Insgesamt hätte man bei Crime/Politik-Themen eine Lesequote von 70%. Aber niemand wolle das auf dem Titel haben, anfassen und mit in den Urlaub nehmen. Für mich heißt das, dass Empathie auch der Schlüssel für einen erfolgreichen Titel ist.

Der Neurobiologe Dr. Björn Brembs (www.twitter.com/brembs) beschäftigt sich mit dem freien Willen - vor allem mit dem freien Wille einer Fliege. Die wird in seinen Experimenten an ein Gestell geklebt und ihre Flugentscheidungen durch Hitze beeinflusst.

Bei dieser Vorstellung ist mir nicht besonders wohl im Magen. Auch bin ich kein großer Fan davon, das Verhalten von Menschen und Fliegen zu vergleichen. Nichtsdestotrotz fand ich Dr. Brembs Vortrag sehr kurzweilig und schon deshalb sympathisch, weil er sein eigenes Fach mit einer gesunden Portion Selbstkritik betrachtet hat.


(Foto von Nina Rieke)

Seine Grundannahme "Könnten wir nicht frei wählen, gäbe es uns nicht" steht im erfrischenden Gegensatz zu einigen Vertreten der Neuro-Science oder des Neuro-Marketings, die mit Gehirnscans den freien Willen zugunsten eines Kauf-Schalters im Kopf abschaffen wollen (Was ich sehr bezweifele. Aber das ist eine andere Geschichte)

Der effektivste Weg den freien Willen zu beeinflussen, liegt so Brembs darin eine Situation zu schaffen, in der die Entscheidungsmöglichkeiten begrenzt sind. Allerdings dürfe die Situation nicht so beschränkend sein, dass es dem Menschen auffällt, dass er keine freie Wahl mehr hat.

Ich musste bei seinen Ausführungen zuerst an Disney-Land denken. Innerhalb des Parks hat man zu jedem Moment das Gefühl frei entscheiden zu können, obwohl die Auswahl von Disney begrenzt wird. Es ist also die freie Entscheidung zwischen vier Restaurants, die alle das Gleiche kosten und dem selben Konzern gehören. Und irgendwie ist ein Apple-Store ganz ähnlich.
Diese Sichtweise hat mich inspiriert, künftig noch intensiver über den POS und die Shopping-Experience nachzudenken als bisher.



Armin Morbach, schillernder Herausgeber des TUSH-Magazins vertrat die gänzlich unwissenschaftliche Meinung, dass eine gelungene Auswahl von Schönheit immer aus dem Bauch komme.



Und dieses Bauchgefühl, so habe ich aus seiner bewegten Lebensgeschichte geschlossen, wird vor allem durch den Mut zu Risiko geschult. In seiner Präsentation zeigte er, wie er es aus der deutschen Provinz ohne Geld in der Tasche nach Miami zu Stylisten schaffte und dann zum Fotografen und Magazin Herausgeber. Künstler wollte er dabei nie sein, denn in "Berlin sei heute jeder Depp ein Künstler".

Die wichtigste Lektion für mich war Armins Antwort auf die Frage woher er seine Inspiration nehme. Inspiration komme für ihn aus der Beobachtung des Alltags und auf keinem Fall aus Fashion Shows. Die seien meist eher Langweilig.
Ich finde diese Bemerkung sehr wichtig, weil gerade in der Werbung ein ungesundes Abschauen bei der Konkurrenz herrscht. Die Inspirationssuche bei Ads of the World führt unweigerlich ebenso zum permanenten Kopieren von Best Practice - wie die Inspirationssuche von Modeschaffenden auf einer Fashion Show.

Einen ganz eigenen Weg Innovationsideen auszuwählen hat Ulf Pillkahn von Siemens vorgestellt. Seiner Meinung nach wählen wir meist Ideen mit den falschen Kriterien aus. Besonders zu starkes Effizienzdenken (Was bringt die Idee? Wie hoch ist der ROI?) führe ganz unterbewusst dazu, dass Unternehmen nur die naheliegen, gewöhnlichen und mittelmässigen Ideen anstreben.



Denn "bei 80% der Ideen ist die Unsicherheit im Verständnis der Idee so groß, dass eine zweifelsfreie Beurteilung nicht möglich ist!"

Deshalb setzt er auf den Faktor Zufall bei der Selektion von Innovationsideen. Nach einer Ideenrunde werden neben bewusst ausgewählten Ideen auch eine Hand voll Ideen weiterverfolgt, die durch ein Zufallsverfahren - das Innovation Roulette - ausgewählt wurden. Und oftmals hätten sich gerade diese Zufallsideen bewährt. Deshalb hat er darüber ein Buch geschrieben, das bald erscheint: www.innovation-roulette.com

Bei Lars Stein, dem Gründer von Studienaktie.org, und Ernst Tanner, dem Sportlicher Leiter TSG 1899 Hoffenheim, ging es um die Auswahl von Talenten aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln. Während der Profi-Fussball eine harte Selektion schon in jungen Jahren trifft und denen, die es nicht zum Profi schaffen auch eine Exit-Strategie bieten muss, will das Modell von Studienaktie.org allen Menschen Bildung ermöglichen, die sich dafür einsetzen.
Das Social Startup bringt über das Internet Menschen, die etwas lernen wollen und Menschen, die in die Lernwilligen investieren wollen, zusammen - unabhängig von Alter und Studienrichtung. Dabei entstünden schon mal lustige Kombinationen, wie der Versicherungsmakler, der eine Kunststudentin unterstützt.

Richtig hart ins Gericht mit der Werbebranche ging Prof. Dr. Björn Bloching von Roland Berger.



Für ihn sei es kein Wunder, dass eine Branche die bei wachsendem Professionalisierungsdruck unterdurchschnittliche Gehälter zahle, wenig Weiterbildung ermögliche, kaum Aufstiegschancen biete, keine Personalpolitik oder Employer Branding betreibe und die Mitarbeiter in operativen Tätigkeiten verheize von Young Potentials zunehmend ausselektiert werde.
Denn die würden heute viel mehr auf Selbstverwirklichung und Work-Life Balance achten als früher. Gerade in Sachen kreativer Selbstverwirklichung böte die Werbung zwar heute unendliche Potentiale, doch die Rahmenbedingungen stimmten nicht.



Viel zu wenig Zeit hatte Russell Davies, Stratege bei Ogilvy & Mather, Blogger und Konferenzveranstalter. Seine Flugzeiten lagen so ungünstig, dass ihm nur wenige Momente blieben, um über die Selektion von Ideen zu sprechen.

In seinem blitzschnellen Vortrag gab er vier Suchfelder an, in denen er in naher Zukunft das Potential bedeutungsvolle Ideen kommen werden:



Der wichtigste Satz für mich stand allerdings auf einer Folie am Ende seines Vortrages. In ihm steckt sowohl die Krise der Kommunikationsbranche als auch eine Idee wo die Kreativität der Agenturen und Strategen in Zeiten des digitalen Umbruchs künftig gebraucht wird:

"Businesses are looking for new things to sell, not new ways to sell" (Russel Davis)

Vom Markenstrategen zum Intangible Value Designer...könnte das die Richtung sein....

Montag, 9. Mai 2011

How to create something meaningful - My Guest-Lecture @Miami Ad School Hamburg

I had the pleasure to give a guest lecture at the Miami Ad School Hamburg as part of Steffen Stäuber's 'Create Meaning" Project (http://createmeaning.com). 

Ten Students are briefed to develop ideas and concepts that go far beyong traditional advertising. They have the goal to produce something that is meaningful to people like a Game or a new Product. 

So in my lecture I wanted to make them aware of "the meaning of meaning" and also inspire their creative thinking with a little introduction into my understanding of Design Thinking and some useful tools. 

Here are my slides: 

How to create something meaningful.
I have also written a guest post on createmeaning.com giving a little more context to the slides: http://createmeaning.com/2011/05/how-to-create-something-meaningful-two-thing...

 

Posted via email from creative*glasses

How to create something meaningful... Mein Gastvortrag zum 'Create Meaning" Projekt

Schon am 21. April hab ich in der Miami Ad School Hamburg einen Gastvortrag im Rahmen des Create Meaning Projektes, das von Steffen Stäuber angestoßen wurde.

Im Rahmen des Projektes versuchen 10 Studenten der Miami Ad School Alternative Kommunikationsformen zur klassischen Werbung zu entwickeln. Von der digitalen Plattform bis zum Neuprodukt ist alles erlaubt, dass für Menschen Bedeutung entfaltet und so die Marke stärkt.

Für das Projekt gibt es unter http://createmeaning.com einen interessanten Blog.

Dort sind auch die Folien meines Gastvortrags mit dem Titel "How to create something meaningful" zusammen mit einem langen Artikel von mir zu finden. In meinem Vortrag habe ich den Studenten nahegebracht, wie wichtig es ist, in die Lebenswelt der Menschen einzutauchen, für die man etwas bedeutungsvolles entwickeln will. Daneben habe ich den Kreativ-Prozess beschrieben und einige Tools vorgestellt.

Hier ist der Link zu meinem Gastbeitrag auf createmeaning.com: http://createmeaning.com/2011/05/how-to-create-something-meaningful-two-things-to-consider-my-guest-lecture-at-the-miami-ad-school/

Und hier meine Folien aus dem Seminar:



Nun bin ich gespannt auf die Ideen der Studenten, die mich mit ihren guten Insights wirklich beeindruckt haben.

Montag, 28. März 2011

Mit Bacardi Cola gegen den Web-Wahnsinn? - Nur wer ist hier eigentlich wirklich gestresst? *Satire*

Werbung ist ja irgendwie ein Kulturindikator.
Und in der letzten Zeit häufen sich die Aufrufe zum analogen Leben.

Im letzten Jahr erklärte Diesel "Stupit is analog" und richtete eine analoge Version von facebook in Berlin aus.



Zusammen mit Fiat forderte Diesel uns dann zum Disconnect! auf:



VW erklärt den EOS zum Auszeit-Auto von der schnellen digitalen Welt.



Bacardi greift mit der neuen Kampagne laut Pressemeldung, die "veränderte Lebenseinstellungen der Konsumenten in der heutigen, digitalisierten und damit schnelllebigen Gesellschaft auf, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren. „BACARDI TOGETHER geht es um die echten menschlichen Verbindungen im Leben."


Und auch Astra widmet sich dem Thema "Web-Wahnsinn" und fordert (wenigstens kreativ), dass Astra Analog bleiben müsse.


Es scheint also ein tiefes Bedürfnis zu geben der Hektik des digitalen Zeitalters zu entkommen. Und wie es aussieht ist die Lösung Autofahren oder Alkohol.

Klar, dass sich dem auch Journalisten gerne anschließen und den OFFLINE Gang zelebrieren.









Hier setzen alle auf den gleichen Insight: Das Internet macht uns Wahnsinnig und gestresst. Aber ist es ein Insight?
Sind wir wirklich alle vom Netz so überfordert - oder machen hier vom Webwahnsinn verfolgte Werber und Journalisten ihre Lebensrealität zum Thema ? Schließlich sind ihre Branchen vom digitalen Wandel besonders getroffen...

Darüber kann man ja mal diskutieren...

Montag, 28. Februar 2011

Wie man digitalen Cool-Stuff entwirft: Worksheet-Ideen zur digitalen Strategie.


Wie entwickelt und plant man digitale oder gar transmediale Kommunikations-Angebote?

Diese Frage stellen sich sowohl Werber, PRler, Filmemacher, Spielentwickler oder Start-up Gründer. Im Grunde stellen sich alle diese Frage, die im Netz um Aufmerksamkeit ringen.

Vor einiger Zeit habe ich auf dem Digital Planning Workshop des Verbandes der Marken- und Kommunikationsstrategen eine Präsentation über die strategische Planung im digitalen Raum gehalten.
Damals habe ich argumentiert, dass ein "Digital Stratege" durch Beobachtung von Menschen nach Cool Stuff Opportunities statt nach Insights zu suchen. Als 'Cool Stuff Opportunity' bezeichne ich die Gelegenheit ein marken + oder produktverwandtes Thema oder eine Aktivität durch ein digitales Erlebnis zu bereichern.

Aber wie soll das gehen? Ein Erfolgsrezept hat niemand.

Doch weil sich mir die Frage immer wieder stellt - möchte ich heute die Ideen der Präsentation kurz vertiefen und dann zwei WorkSheets vorstellen. Die Arbeitsblätter sollen helfen den digitalen Strategieprozess zu inspirieren. Sie sind definitiv Work in Progress ist, freue ich mich auf jedes Feedback!

1. Der Hintergrund der Worksheets (eilige können das überspringen)

Egal ob ein Spiel (wie bei der aktuellen Honda Kampagne von Wieden Kennedy), einem Service (wie nike+) oder einer transmedial erzählten Geschichte (wie für die TV Serie Dexter) - am Ende geht es bei digitaler Kommunikation immer darum ein cooles Angebot zu machen.

Denn das Netz funktioniert beinahe ausschließlich nach dem Pull-Prinzip. Man kann Menschen - jenseits gekaufter Werbeflächen - nur Angebote machen, die sie von selbst und freiwillig aufgreifen.

Damit wird die Kommunikation für ein Produkt selbst zu einem Kommunikationsprodukt, dessen Erlebnis sich am "Markt" behaupten muss. Jede iPad-App, die eine Marke als Kommunikationsmaßnahme zur Welt bringt, konkurriert gegen 1 Milliarde andere Apps. Ein Videoangebot konkurriert gegen die Fülle von Youtube Clips.

Der Digital Stratege ist in folge dessen zu jemandem, der an der Produktentwicklung - dem Cool Stuff Design - mitwirkt - in dem er den Produkt-Anlass liefert und das Produkt-Erlebnis im Blick behält. Und dieser Blick darf sich nicht nur auf die aktuelle Kommunikationsidee richten, sondern holistisch auf jedes Detail des digitalen Auftritts.

Star-Stratege Helge Tenno liefert dieses Beispiel:
An example:
People travel between two cities. They can either travel by plane or by train. The train takes double the amount of time and is as expensive as the plane – why would you choose to ride the train? The National Railway of Norway were faced with this dilemma and wisely decided on a brand platform suggesting that when it comes to the train it is the journey itself that is the destination – the train ride in itself is a valuable product – as opposed to the plane which is just herding cattle.

The company invested heavily in this story on a range of surfaces and channels. But what happened when people came online to their website – possibly the most important interface in the interactions between the brand and the customer? Online the story was hidden. What people met where a ticket purchasing application/calculator mistakenly similar to the one offered by any cattle herding airline.

Und darin sehe ich vor allem den fundamentale Unterschied zur klassischen Werbung . Der klassische Werbestratege sucht nach dem Anlass, um ein bestehendes Produkt attraktiv zu machen. Die Aufmerksamkeit für die darauf folgende Kreation wird durch Mediaplätze eingekauft.

Ein Digital-Stratege hingegen muss im Netz genauso wie im Real-Life die Gelegenheit für ein digitales Angebot finden, dessen attraktives Erlebnis auf das zu bewerbende Produkt abfärbt. Und er muss dafür sorgen, dass dieses Angebot bekannt und genutzt wird. Dabei sollen die beiden Work-Templates helfen...

3. Die Worksheets


3. 1. Das "Cool-Stuff Opportunity" Template


3. 2. Der "Cool Stuff" Experience Plan

Das Work-Template soll helfen, einen ganzheitlichen Blick auf ein digitales Erlebnis/das Kommunikationsprodukt zu behalten. Es stellt Fragen, die eine digitale Idee auf ihre Tragfähigkeit als Erlebnis prüfen. Und es funktioniert rekursiv: Es kann sowohl für ein Gesamt-Erlebnis angewendet werden - wie auch für jedes Detail einer Kampagne.

Nachtrag:

Die Inspiration für das zweite Template kam übrigens von dieses Business-Plan Model für Start-Ups.
Es wurde von Ideo-Designer Tom Hulme für HackFwr entwickelt. Die Ähnlichkeit macht doppelt deutlich, dass Digitale Kommunikation immer bedeutet Erlebnis-Produkte zu entwickeln. Es ist obStart-Up, Medienunternehmen, Künstlerkollektiv oder Werbeagentur. Der einzige Unterschied ist das Revenue-Modell: Bei dem einen zählt Geld, bei dem Anderen die Aufmerksamkeit.

Damit stellt sich Agenturen eine ganz andere Frage: Wenn der Digitale Stratege jemand ist, der mit der Mentalität eines Start-up Gründers, Kommunikationprodukte entwirft - Was hällt die Besten davon ab, ein wirkliches Start-up zu gründen.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Great eBook: Getting started in #Transmedia by Robert Pratten (@zenfilm). A must read!

Robert Pratten from zenfilms has written an interesting and compelling ebook on transmedia storytelling. He has aggregated the most influential blog posts into this insightful overview that explains transmedia from concept to financing. Awesome work! A must read!

 

Posted via email from creative*glasses

Mittwoch, 22. Dezember 2010

My Christmas Experiment: The Last Minute Gift Inspirator

Every year before Christmas I ask myself: "What do my friends like" - so that I can make them a great gift. This year I had an idea. And together  with software-developer Ali Jelveh we have invented an experimental Gift Inspirator for Facebook.

This Video explains it:


And this is what it looks like: 

So feel free to try it out: giftinspirator.heroku.com

It is even useful beyond christmas. You can use it for birthdays as well. 

Working on this experiment was great fun. I learned a lot about the Facebook-API. It is the basis for thinking about Facebook-Apps. And I can only recommend everybody thinking about Facebook-ideas to read the API Documentation - even if you are not a programmer (like me).

I wish you all a stressfree christmas and a happy new Year. 

Thank you for reading my blog. 

Christian 

 

Posted via email from creative*glasses

Dienstag, 30. November 2010

People Centered Planning. Vortrag auf dem APG-Digital Planning Workshop

Am letzten Freitag hatte ich das Vergnügen einen kurzen Vortrag auf dem Digital Planning Workshop des Verbands der Marken- und Kommunikationsstrategen (APG) zu halten.

Mein Thema lautete: "People Centered Planning" oder warum es im Netz wichtig ist nicht nur von der Marke oder der Technologie aus zu denken, sondern vom Menschen aus Strategien zu entwickeln.

Die Folien dazu möchte ich nicht vorenthalten. Am besten lassen sie sich im Vollbild-Modus lesen. Kommentare und Kritik: Gerne! :-)

Dienstag, 9. November 2010

Beyond the Waterfall. Strategy, Agility and Communication as Mental Software

An older blogpost of mine got some attention on twitter a couple of days ago. In "Agile Strategy, Tactics an the Story of a DJ" I argued that we should not prefer doing over planning because they always inform with each other. My post was a response to the Agile Strategy Manifesto by Justin McMurray. 

I guess the new attention for my article was driven by a little flamewar on the german account planning group's website. The debate was triggered by an insightful post from Nina Rieke (Strategist @doubleshift). In her post "Always in Beta" she writes that brands have to be as agile as the world.

Our articles have one thing in common: we looked at software development for inspiration.

In the software world the "always in beta"- discussion frames a shift in paradigm: From the linear waterfall-model to a more complex thinking in loops that incorporate early prototyping, testing and feedback. 

Waterfall 

http://posterous.com/getfile/files.posterous.com/creativeglasses/himCjCsjrdhh... 

Managers loved the model, because it looks simple and controllable. And most of the agencies, I know are organized similar: Strategy, Art-Direction, Implementation, Measurement. But a waterfall can't cope with (user) feedback. Acknowleging this blind spot means to chance the hole line of production, breaking down processes, silos and hierarchies. 

Loop

Today a lot of software is developed in a looping process of doing and planning, or planning and doing. Doing is needed to test things out and planning is needed to make things better and learn from mistakes. The loop resembles every creative process. Mangers had to accept complexity and a loss of control. 

Naturally we have Waterfall-Models for the advertising industry as well as for the movie industry.

But if we think of communication as 'mental-software'-development, we can ask ourselves, how a similar paradigm shift could be visualized for our industries. 

But I haven't seen a fancy looping-model by now - so I draw one by myself.

However it follows a personal premisse: I believe that content is as convergent as technology. It will be more and more difficult to distinguish between entertainment, news or advertising content. The only glue that holds an audience together will be a story, that offers an experience.

When I have drew it, I had not thought about advertising or tradtional media or interactivity. I have thought about developing an exiting story.

So here it is. It is a first draft - so feedback would be awesome. 

The great thing about the loop: It does not suggest the time frame. Perhaps the first too loops happen in a day. The first Storytelling Rollout could be the rollout of a prototype within the creative team. And while fans of doing will rush to production, fans of planning will be more busy with feedback and audience knowledge.   

Posted via email from creative*glasses

Montag, 11. Oktober 2010

Digital Film Camp: Unternehmergeist, Audience Builiding, Crowdfunding und Social Media

Ich war am vergangenen Freitag spontan auf dem DigitalFilmCamp im Rahmen des Filmfestes. Seltsamerweise wurde die Veranstaltung in diesem Jahr unter dem Titel "GreenCamp" im Programm geführt. Offiziell es sollte um Crowdfunding und Enviromental-Films gehen. Doch Umweltfilme wurden nur am Rand diskutiert.

Meine Vermutung ist, dass die künstliche Titel-Konstruktion ein nötiger "Kniefall" vor dem diesjährigen Oberthema des Filmfestes war, um an eine kleine Förderung kommen. Und ich bin mir sicher, dass der missverständliche Titel dazu geführt hat, das das DigitalFilmCamp bei weiten nicht so gut besucht war, als im vergangenen Jahr.

Eigentlich schade - denn die vier Gastredner aus Finnland, Schweden und Spanien hatten wirklich spannende Dinge zu erzählen. Als Filmemacher haben sie alle die Regeln der Filmbranche hinter sich gelassen und dank Social Media eine Community aufbauen können, die ihre Filmprojekte zum Teil mitfinanziert.

Den Einstieg machte Michael Gumpelmaier, Gründer des Portals Filmtiki.com. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Social Media Marketing für Filmprojekte und schreibt einen Blog mit vielen Links und Case-Studies: http://gumpelmaier.net/2010/10/08/green-camp-hamburg-alternative-filmfinanzierung-via-web-2-0/

Nach ihm berichteten Jarmo Puskala und Pekka Ollula aus Finnland über ihr Filmprojekt IRON SKY. Sie starteten mit der schrägen Idee einen ironischen SciFi-Film über Nazis zu machen, die 1945 auf den Mond geflüchtet sind und 2018 die Erde zurück erobern wollen.



Und dank der Resonanz im Netz ist daraus das zweitgrößte Filmprojekt der finnischen Geschichte geworden. Vom ersten Moment an nutzten Sie Social Media, um sich mit allen Menschen zu vernetzen, die sie für diese Idee begeistern konnten.
Und das sind mehr als sie je erwartet haben: Der aktuelle Teaser-Trailer hat die 1.000.000 views auf Youtube beinahe geknackt. Götz Otto wurde als Hauptdarsteller verpflichtet und mit ihrer dialogorientierten Kommunikation über Website, Email, Youtube, Facebook und Twitter erreichen sie 150.000 Menschen pro Woche. So haben sie es geschafft, dass sie mit etwa 1.000.000€ von der Community unterstüzt zu werden - immerhin knapp 1/6 des Gesamtbudgets.
Dieser Erfolg gründet sich vor allem auf Zeit und harte Arbeit. Mindestens drei Personen seien in Vollzeit damit beschäftigt, die Social Media Kommunikation zu pflegen. Aber auch alle anderen an der Produktion beteiligten, seien indirekt immer ins Marekting eingebunden: "Everything you do online is marketing", sagte Jarmo. Er erinnerte aber auch daran, dass es nicht nötig sei mit Social Media jeden zu erreichen. Es ginge weniger um Reichweite, als darum die begeistertsten Fans zu finden und als Fürsprecher zu gewinnen und zu verstehen, dass alles was man über den Film berichtet auch ein Teil der Geschichte ist.

Seine Präsentation ist ziemlich Aufschlussreich:


In der anschließenden Diskussion gaben die Beiden ganz offen zu, dass es hilft, wenn man eine bereits existierende Community wie Science Fiction-Fans ansprechen kann. Auch sei der Kern ihrer Community bereits während der Dreharbeiten zu ihrem ersten Film StarWrek entstanden.



Die StarTrek Parodie entstand ohne Budget und mit einer Produktionszeit von sieben Jahren. Viele Fans stammen noch aus dieser Zeit und begleiten die Filmemacher seit vielen Jahren. Und das Produktionsteam sucht aktiv die Hilfe der Fans, bei allen offenen Fragen jenseits des Plots. So habe die Fanbasis wichtige Produktions-Fragen gelöst ("Wie sieht eigentlich zerschossenes Metall aus?") und sogar einige Trailer produziert. Für solche Fragen haben sie die Plattform Wreckamovie.com gegründet. Hier können Filmemacher ihre Filme einstellen und die Community bitten, sie zu kommentieren.

Neben den Zahlen teilten die Beiden auch sehr persönliche Geschichten. Vor allem Schmerze sie mit dem Vorwurf des Sell-Outs konfrontiert zu werden, sagte Jarmo. Um so schöner sei es mitzubekommen, dass die Community neue Freundschaften ermögliche. Doch die größter Angst bleibe, dass der Film nicht den Erwartungen der Fans gerecht werde. Denn was letztlich zähle sei die Story.

Eine anderen Weg ist die junge schwedische Filmemacherin Hanna Skøld gegangen. Um ihren ersten Film Nasty Old People hat sie einen Kredit von 10.000e aufgenommen - doch wie sollte sie das Geld wieder zurückzahlen, wenn niemand den Film sehen kann. Deshalb hat sie ihren Film unter Creative Commons Lizenz gestellt und sich an das Bittorrent-Portal Pirate Bay gewendet. Pirate Bay, die wegen der Verteilung von illegalen Filmkopien unter Beschuss der Filmindustrie stehen, haben den Film auf der Startseite als Download präsentiert. In den ersten fünf Tagen wurde der Film 16.000 Mal runter geladen. Und die plötzliche Begeisterung führte dazu, dass Hanna Skøld ihren Kredit über die Spenden der Zuschauer zurück zahlen konnte, die ihren Blog besucht haben. Und ein Jahr nach der "Premiere" auf Pirate Bay hat das schwedische Fernsehen den Film ausgestrahlt.

Die radikalste Strategie stellte Nicolás Schächter aus Spanien vor. Er arbeitet an einem Film über die vergessenen Kosmonauten der frühen Weltraumära. Das Projekt befindet sich noch in der Anfangsphase und ist von der festen Überzeugung geprägt, dass nicht der Content zähle, sondern das Erlebnis mit dem Content.

"El Cosmonauta" Teaser 1 (ESP) from Riot Cinema on Vimeo.


Digitale Inhalte seien durch das Netz sowieso zu jederzeit frei verfügbar und beliebig kopierbar. Weil es keinen Sinn mache, digitale Inhalte künstlich zu verknappen, plant er den Film mit einer Creative Commons Lizenz versehen und auf allen Kanälen gleichzeitig zu distribuieren.


Auch das Drehbuch ist im Volltext bereits online. Das raubt dem Film keinesfalls die Spannung, denn die Kommentare, der wenigen Fans, die es wirklich gelesen haben, hätten es wirklich besser gemacht.

Dem Kino komme dabei die Sonderrolle zu, zur Eventfläche zu werden. Die Rezeption des Films könnte zu einem Happening mit Party werden, oder zum Abschluss eines Alternate Reality Games. Deshalb setzt er viel auf transmedia storytelling und will den Kosmos des Films mit Comics, Events und anderen Medien ausdehnen. Denn in seinem Verständnis geht es nicht um die 90min Film am Ende - er sieht sich als Storyteller, der ein Erlebnis schafft.

Allerdings gab er auch offen zu, dass es schwer falle, mit ihrem radikalen Konzept finanzkräftige Unterstützer zu finden. Doch er sieht es positiv: Es werde viel geredet über transmedia und social media, aber ausprobieren müssten die unabhängigen Macher, die finanziell alles riskieren. Und wenn sie Erfolg haben, dann springen alle anderen auf.

Und ganz egal, ob Iron Sky oder Cosmonaut ein Erfolg an der Kinokasse werden, von dem Machergeist kann man schon jetzt den Hut ziehen und wünscht sich, er würde in andere Kreativbranchen einziehen.

Sonntag, 26. September 2010

Mein Picnic in Amsterdam: Rückblick auf das Crossmedia Festival



Nach drei Tagen auf dem Picnic Crossmedia Festival in Amsterdam bin ich zurück im regnerischen Hamburg.

Unter dem ambitionierten Motto "Redesign the World" wollte die Konferenz die Veränderung von Medien, Städten, Wirtschaft und Lebensweisen untersuchen. Deshalb haben die Organisatoren auch auf die Teilnehmer gesetzt: "What are you bringing?" lautete die Aufforderung der Organisatoren an die Teilnehmer, sich aktiv einzubringen. Ich habe vor allem meine Neugierde mitgebracht, bin unermüdlich zwischen Vorträgen und Sessions hin und her gewandert und habe gute Gespräche geführt.


Jetzt - mit zwei Tagen Abstand - frage ich mich: Was habe ich eigentlich mitgenommen, abgesehen von einem lustigen Aufkleber mit dem Schriftzug "Brainstormen is voor mietjes" (zu Deutsch: Brainstorming ist für Weicheier) ?

Von Steven Hayden, Chairman von Oglivy und mitverantwortlich für den berühmten 1984 Apple Spot, habe ich gelernt, daß Leben und Business einem ewigen Kreislauf folgen, den er in seinem Mandala abgebildet hat.

Er hat mir auch eine gute Definition von Werbung an die Hand gegeben: "Advertising is a bastard art, supported by pseudo science" . Und solange Menschen Dinge kaufen und verkaufen und sie nicht, wie im Picnic Fablab, in 3D selber ausdrucken, wird die Werbung nicht sterben. Sie geht lediglich andere Wege.

Einen besonders verstörenden Weg hat Aza Raskin , Creative Lead von Firefox, aufgezeigt. Er glaubt, dass Marken in naher Zukunft versuchen werden, sich in die unzähligen private Fotos und Videos im Netz einzuschleichen. Man stelle sich ein Urlaubsfoto mit einer Werbetafel im Hintergrund vor, deren Inhalt dynamisch verändert wird. Dieses "Private Product Placement" hätte, so Aza, denn Effekt, dass sich unsere Erinnerungen verändern. Und er wolle nicht, dass Marken ihn mit seiner Erinnerung in Konflikt bringen.

Einen ganz anderen Konflikt hatte Tom Hulme, Design Director von IDEO, in seinem Vortrag vor Augen: Es sei Zeit ist die Klischees von strukturierten, zahlenorientierten Kaufleuten und chaotischen Kreativen zu überwinden.

Gerade wenn es darum geht ein neues Geschäftsmodell zu gestalten, ist es wichtig holistisch zu denken und auch "trockene" Themen wie Preisgestaltung oder Verträge als Design-Aufgabe zu betrachten. Entscheidend für jeden Erfolg sei, das Ganze im Blick zu behalten und alle Aktivitäten immer durch die Augen des Menschen zu sehen, der am Ende Produkt, Marke und Service erlebt.

Als Case Study führte er HackFwd an, die neue Firma des Xing-Gründers Lard Hinrich. Das Investitionsunternehmen bietet Start-ups Anschubfinanzierung und Coachings und IDEO habe das Business-Modell in erster Linie auf die Bedürfnisse der Gründer gestaltet und nicht auf die Bedürfnisse der großen VCs, die anschließend in das Start Up investieren sollen.

Den Framework mit dem Tom Geschäftsmodelle gestaltet und optimiert kann von zusammen mit einer Video-Erklärung von seinem Blog runterladen:http://weijiblog.com/more-from-me/



Der Framework eigenet sich bestimmt auch, um sich von Agentur-Neukunden ein holistisches Bild zu machen. Ich werde es ausprobieren.

Der erste Schritt zum erfolgreichen Business-Modell ist jedoch immer noch der gelungene Pitch. Deshalb kann man nie genug üben Ideen und Projekte so vorzustellen, dass Kunden und Investoren sie nicht nur verstehen, sondern auch Vertrauen in die Umsetzung schöpfen.

Das Pitch Training auf der Picnic wurde von einem Schauspieler von BoomChicago angeboten, einem bekannten Improvisationstheater in Amsterdam. In einer kleinen Gruppe haben wir mit viel Spass an der eigenen Bühnenpräsenz gearbeitet und den spontanen, wie souveränen Umgang mit aggressiven Fragen geübt. Im Zentrum stand ein Spiel: Jeder Teilnehmer musste auf der Bühne einen beliebigen Gegenstand als innovatives Produkt pitchen und die Fragen der anderen Teilnehmer beantworten. Die waren in die Rolle der Investoren geschlüpft. Ich habe übrigens meine Geldbörse als einen Multipurpose-Spy-Device vorgestellt, der die Zukunft der Geheimdieste revolutioniert.

Um die Zukunft ging es auch in dem Workshop des Datenexperten Andreas Weigend. Er arbeitet als Professor in Stanford und war unter anderem an der Entwicklung der Empfehlungsalgorithmen von Amazon verantwortlich. Er stellte uns Teilnehmern die Frage, wie wir 2020 mit unseren Daten umgehen und wie diese Daten unser Verhalten verändern werden.
Denn die Anzahl der Daten, die über uns existieren, die wir publizieren, hinterlassen und teilen verdoppelt sich alle 18 Monate. Dabei geht es nicht nur um die Daten aus der Social Media Welt, sondern auch um Bewegungsdaten, Einkaufsdaten, Gesundheitsdaten etc.

Aufgeteilt in kleine Gruppen wurden 12 Predictions erarbeitet und diskutiert. Sie sind der Aufhänger einer Artikelserie über die Datenwelt 2020, die Andreas Weigend zusammen mit der Picnic im kommenden Jahr auf weigend.com startet. Zusammen mit http://www.twitter.com/@komplettsystem und @michalhendriks habe wir diese Prediction abgegeben: http://ow.ly/i/44hx

Und noch eine vorsichtige Vermutung habe ich nach der Picnic: Ich denke, dass die Debatten über Social Media im kommenden Jahr versanden werden, da sie immer noch zu plattformorientiert geführt werden.

Das wurde mir während des Panels "Everything we know about transmedia is wrong" entlang von zwei Standpunkten deutlich:

Es sei einfach verlockend, sich in eine hippe Technologie zu verlieben und aus den Augen zu verlieren, was man eigentlich erzählen wollte, mahnte Tommy Pallota aus eigner Erfahrung an. Als Medienschaffender hat er nicht nur Hollywood Film wie Scanner Darkly visuell geprägt, sondern auch für die Microsoft Forschung gearbeitet hat.

Im Zentrum stehe immer die Story egal welche Technologien man nutzt, sie zu erzählen, führte Dan Hon aus. Er ist einer der Gründer der Firma Six to Start, die transmediale Erlebnisse konzipiert und vor kurzem zur Agentur WiedenKennedy gewechselt.
Beinahe Gebetsmühlenartig wiederholte er seine Aufforderung, sich erst Gedanken über sein Publikum und die Geschichte, die man erzählen will, zu machen. Erst dann steht die Entscheidung an, wie man sie erzählt. Dabei solle man nicht werten, ob eine Geschichte klassisch linear erzählt werde, oder transmedial, interaktiv und kollaborativ. Einzig die Geschichte sei wichtig.
Denn egal in welchem Medium gelte: "Bad Storytelling is just bad Storytelling". Deshalb mache es auch keinen Sinn zu glauben, man könne die schlechten Ideen im Internet verbraten. Umgekehrt gilt das genauso. Schließlich passe Hemmingways bewegenste Geschichte in einen Tweet: "Baby shoes, for Sale. Never worn".

Ich stimme ihm voll zu. Denn darum geht es bei guten Geschichten: Einen bewegenden Inhalt zu schaffen, der eine Konversation anregt.

Allerdings, so das Panel, fehle es an "Autoren", die virtuos mit verschiedenen Erzählformen umgehen und ihren Geschichten ansehen, wie sie am besten erzählt werden sollten.

Natürlich kann man hier auf die sogenannten Digital Natives setzten. Doch auch dann wird man auf die perfekten Transmedia-Autoren noch etwas warten müssen. Denn um gute Geschichten zu erzählen, braucht man neben Medienerfahrung vor allem eines: Lebenserfahrung.

So erklärt sich Dan auch, warum er im Web stets auf die gleichen Stories trifft, wenn Marken innovativen Medienumgang, Transmedia Storytelling oder Alternate Reality Games behaupten. Er wolle keine Videos mehr sehen, die behaupten keine Fiction zu sein, keine Verschwörungstheorien mehr als Alternate Reality Games mehr erleben oder von Teenagern hören.


(Transmedia Story Shitlist)

Egal was man plane, es sei wichtig, dass man sein Publikum ernst zu nehme. Wem es nur um Aufmerksamkeit gehe, der sei bei einem klassischen PR Berater besser aufgehoben.

Soviel zur "offiziellen Wissensaufnahme". In den Picnic-Pausen hatte ich die Möglichkeit zu inspirierenden Gesprächen unter anderem mit Jeremy Irish, dem Gründer der Geocashing-Bewegung, einer Trauma-Therapeutin, die in Haiti arbeitet oder Studenten einer niederländischen Schule für Entrepreneur-Ship, die ihr Schulgeld mit einem eigenen Business-Modell zurückverdienen müssen.

Ach ja: Das neue XBox Kinetic konnte ich auch ausprobieren. Und nach nur einer Runde bin ich mir sicher, dass das System im Weihnachtsgeschäft einschlagen wird.

Und noch eine kleine Kritik möchte ich loswerden: Ich glaube das Motto der Picnic war zu hoch gegriffen. Statt vieler paralleler Vorträge hätte ich mir mehr kleine Workshops gewünscht. Und es war irgendwie komisch bei einem fast vierstelligen Teilnahmebeitrag auch noch für jedes Getränk zahlen zu müssen.

Montag, 20. September 2010

Kernbotschaft vs. Reason to Care

Auf dem Planning Barcamp im August gab es eine spannende Disskussion darüber, mit welchem Briefing man Kreative auf die richtige Spur bringt. Eine Idee war, Kreativen nicht nur eine Kernbotschaft mit auf den Weg zu geben, sondern auch den Grund zu nennen, warum sich Menschen für die Komunikationsideen interessieren sollten. Tim Keil von Phillipp und Keuntje schlug vor nach dem "Reason to Care" zu suchen.

Sozusagen als Nachklapper zum Barcamp haben sich Nina Rieke, Michaela Jausen und ich das Thema noch mal vor die Brust genommen. Wir drei haben unsere Perspektive auf den "Reason to Care" formuliert und veröffentlicht - in der Strategy Corner des Strategieverbands apg die im BranchenMagazin New Business erscheint.

Hier der Link:

http://www.apgd.de/wp-content/uploads/2010/09/100920-stratcorner.pdf

Als ich meinen Teil des Artikels geschrieben hatte, war mir vor allem eines klar: Ganz durchdringen lässt sich das Thema auf einer halben Seite nicht. Wer also Lust hat zu diskutieren oder mir mich zu meiner Perspektive befragen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.

Dienstag, 31. August 2010

Rückblick auf das zweite Planning Barcamp

Am vergangenen Freitag hatte ich das große Vergnügen das zweite Planning Barcamp in der Good School zu moderieren. Zu meiner großen Freude ist der Zuspruch nach der kleinen Premiere im letzten Sommer in diesem Jahr enorm gewachsen.

Über 40 Marken und Kommunikations-Strategen sind der Einladung von mir und dem Strategieverband apg (*der die Veranstaltung großzügig unterstützt hat* ) gefolgt, um über neue Kontexte zu diskutieren, die Marketing, Werbung und PR derzeit prägen. Dabei waren nicht nur die großen Hamburger Agenturen vertreten. Die Teilnehmer waren aus ganz Deutschland, Österreich und den Niederlanden angereist und haben das Programm des Nachmittags selber gestaltet.

Einige Teilnehmer hatten bereits im Vorfeld ein Thema angekündigt, andere erklärten sich spontan bereit eine Diskussion zu leiten. So hat sich ein überraschendes und facettenreiches Programm entwickelt, das von einer Studienanalyse zur Mediennutzung über eine spannenden Case Studies ("Wie arbeiten die Kontexte Radio und Social Media miteinander.") bis zur kritischen Betrachtung der Begriffe Markenmanagement und Kreativität sowie zum Ausrufen einer gemeinsamen Planning Revolution, durch Steffen Stäuber (Innovationsmanager bei SinnerSchrader), reichte. Er lud die Teilnehmer gleich in eine neue Facebook-Gruppe ein, um revolutionäre Pläne zu spinnen.


Daneben wurden auch ganz praktische Aspekte der Planning Arbeit angesprochen. Tim Keil, Stratege bei Philipp und Keuntje wagte die These, das sich der "zentrale Satz" im postdigitalen Kreativbriefing überlebt hätte. Statt einen Satz zu formulieren, der beschreibt, was eine Zielgruppe nach einer Kampagne denken solle, sollten Planner mehr Zeit auf darauf verwenden sich zu fragen, warum die Kommunikation Menschen interessieren solle. Man brauche neben einer Message auch einen "Reason to Care". Und dieser "Reason to Care" lässt sich nur finden, wenn man die Lebenskontexte von Menschen genau kennt.

Einen ganz anderen Kontext stellte Jeremy Abbett, Kreativdirektor bei TribalDDB in Hamburg vor. In seiner Präsentation "Midwest is best" folgte er dem Gedanken, ob die besondere Lebensqualität in Minnesota dafür verantwortlich sei, dass gerade dort drei der erfolgreichsten Planner arbeiten. Von Ihnen hat er sich auch gleich ein paar Tipps für die Teilnehmer geben lassen.
Doch nur ein Thema durchzog konstant die Diskussionen als das gemeinsame Networken am Abend: Der Wunsch und der Wille nach Veränderung.

Immer wieder wurde ein gefühlter Innovations-Stau in der Agenturlandschaft artikuliert, der nicht nur die Kreativität und den Mut zu neuen Herangehensweisen im digitalen Zeitalter betrifft. Auch über Arbeitsprozesse, Ausbildung und Management Overheads und Kundenführung wurde so angeregt gestritten, dass Thomas Wagner in einem ironischen Tweet bereits von einer Therapiesitzung sprach.

Ob die Reaktion der Kommunikationsbranche nun in Schnellbooten, Network-Agenturen, Freelancing oder Creative Business Consultants liegt, blieb allerdings weiter offen. Ein Innovationsknoten platzt letztlich nicht durch Reden, sondern durch Handeln. Und in welchem Kontext man arbeiten, wirken und seine Spuren hinterlassen möchte, ist am Ende immer eine persönliche Entscheidung. Deshalb brachte es @NicoHerzec in einer unnachahmlich direkten Art auf den Punkt: "Take your decision and don't bitch about it".



Einen Rat, den sich mancher lautstarker Twitter-Prediger aus der Marketingwelt zu Herzen nehmen sollte.

Mir hat die Organisation des Barcamps großen Spaß gemacht. Mit viel positivem Feedback im Rücken freue ich mich, die dritte Session auf den Weg zu bringen. Dann mit dem Ziel ein wenig mehr Barcamp Atmosphäre zu schaffen. Und wenn der Zuspruch so bleibt, werden wir wohl einen zweiten Raum dazu buchen müssen.



GANZ besonderer Dank geht an Michaela Jausen von TribalDDB und Martin Klümper von LeagasDelaney in Hamburg. Ohne ihren Support bei der Organisation hätte das Barcamp nicht stattfinden können.

Alles weitere zum Barcamp gibt es auf unserer Facebook-Seite. Ich freue mich dort auf Feedback und Anregungen zur Veranstaltung.




Freitag, 30. Juli 2010

At the End of the Funnel: Adaptive Marketing

Über Twitter bin ich in der vergangenen Woche über zwei interessante Studien gestolpert, die sich mit der Zukunft des Marketings beschäftigen.

McKinsey rät in der Studie "Consumer Descision Journey" , den Kaufprozess nicht länger als einen linearen Funnel zu betrachten.



Denn gerade das Internet und Social Media habe offen gelegt, wie aktiv Menschen ihren Entscheidungen durch (online) Recherche aktiv bestätigen oder verändern. Darum schlagen Sie vor, den Kaufprozess vom Menschen aus als eine "Reise" zu betrachten.



Jeder Mensch verfügt über einen individuellen Bewertungshorizont (Initial Consideration Set) mit dem er seine Interessen und Bedürfnisse betrachtet. Lautstarke Push-Kommunikation kann ihn sicher für neue Produkte und Marken aufmerksam machen. Doch vor dem Kauf steht die aktive Evaluierung des Interesses. Und natürlich entscheidet dann das Erlebnis nach dem Kauf, wie Menschen künftig über Produkt und Marke denken und ob sie die gleiche Entscheidung noch einmal treffen würden.

Ich selber habe mir vor einiger Zeit ein ähnliches Modell entwickelt und beide Modelle mögen auf den ersten Blick banal wirken. Doch sie entfalten ihren Nutzen bei genauem Hinsehen. Die McKinsey Studie zeigt nämlich, dass für die einzelnen Phasen der Reise verschiedene Touchpoints für die Entscheidung wichtiger sind.


Doch wie stellt sich ein Unternehmen und/oder eine Agentur darauf ein, einen Menschen im Rahmen seiner Entscheidungs-Reise als Käufer zu gewinnen? Eine Reise, die an vielen verschachtelten Touchpoints entlang läuft, an die Menschen jeweils andere Erwartungen richten?

Hier setzt die zweite Studie von Forrester Research ein.

Unter dem Titel "The Future Of Agency Relationships" haben Sean Corcoran, Dave Frankland und Vidya Drego untersucht, welche neuen Anforderungen die postdigitale Welt an das Marketing und das Leistungsspektrum von Agenturen stellt.

Heute müssten sich Marketing-Abteilungen schneller denn je auf neue Kommunikationswege einstellen und immer öfter die gewohnten Wege der Push-Kommunikation verlassen. Soweit nichts neues. Auch die Autoren schließen sich dem allgemeinen Meinung an und sehen eine neue Ära im Marketing anbrechen. Diese Ära umschreiben sie mit dem schönen neuen Buzz-Word "Adaptive Marketing".

"A period in which marketers must become more adaptable as new channels and constructs for interacting with consumers flood the market that must be tied to the overall brand promise."

Adaptive Marketing, so die Studie, fordert von Unternehmen ihren Kommunikations-Fokus auf drei Feldern zu verändern:

From outbound to surround. Consumers tell us that the marketing that they are exposed to is irrelevant to their interests3 And now consumers can opt out of telemarketing, direct mail, and email; they skip TV ads; and they will publicly blow the whistle on unacceptable advertising practices. Marketers recognize this problem: 62% believe that their TV advertising is less effective than two years ago.4 As Larry Flanagan, CMO of MasterCard, points out, his organization is now “moving from decades of push strategy to a more holistic 360-degree consumer strategy” in order to keep consumers engaged.

From campaigns to experiences. In an Adaptive Marketing era, the old campaign mindset has to be put out to pasture, but most marketers and agencies still organize, sell, and service from a campaign mindset. The advertising ecosystem is ill-equipped to capture, analyze, and use insight about how to engage best with customers to improve their ongoing experience with the firm. As the former CMO at a global car rental company pointed out, “As media fragmented, agencies approached each channel the same way: as a new means of bombarding the consumer with our message. We found the quality of work declined over time while agencies floundered to layer on skills that just weren’t native to them.”

From segmented “audiences” to individuals. The days of reach and frequency as effective advertising metrics are on their last legs. But most agencies still apply broad segmentation strategies to new channels. Consumers don’t want to be “targeted” as an audience — they want to participate. Yet most marketers and agencies have a long way to go to fully embrace the notion of customer participation. As one senior marketer commented, “We’re keen to embrace social media, but there’s also a part of me that thinks that anyone with a keyboard is dangerous.”
Doch wenn sich die Zielsetzungen von Unternehmen verschieben, sind auch Agenturen gezwungen ihr Leistungsportfolio den geänderten Bedürfnissen anzupassen. Eine Herausforderung vor der Agenturen in der Vergangenheit immer wieder standen.



Dieser Rückblick macht auch deutlich, dass die Unterscheidungen zwischen PR, Werbung, Event, Online nicht naturgegeben ist. Was heute noch in vielen Köpfen als unumstößliche Trennung von Disziplinen gilt, ist aus den Bedürfnissen einer Marktphase gewachsen ist und ist somit nicht unumstößlich. Und wenn Unternehmen gezwungen werden ihre Aktivitäten ganzheitlicher zu betrachten, dann wirkt sich dieser Zwang auch auf die Agenturen aus.

In the Adaptive Marketing era, marketers will need to move seamlessly between digital, broadcast, and branded entertainment options and across earned, owned, and paid media options. This holistic approach to media will mean agencies that deal in this broader definition of media (e.g., media planning, interactive, and PR agencies) will blend together or compete as “interaction” agencies. Starcom MediaVest already describes itself as a “human experience” agency focusing on all forms of media, while social media agencies like the Digital influence Group start planning some paid media to go along with the earned media it creates through social experiences.

Allerdings werden sich Unternehmen fragen, wie man unter den Anforderungen des Adaptive Marketings den geeigneten Agentur-Partner findet. Wer ist der Richtige für den Job? Sind es Generalisten, ein Set von Spezialagenturen oder sogar ein inhouse-Team.

Die Autoren empfehlen diese Entscheidung entlang von drei I's zu treffen, die die Kompetenzen der Agenturpartner beschreiben:

Ideas: emotional connections that can be adapted to all touchpoints. The big ideas behind the “Mad Men”-era campaigns remain relevant because brands must still connect emotionally with their consumers. But digital experiences adapt faster. Consumer control and media fragmentation will require new approaches that help the message hang together wherever they are encountered.5

Interaction: ever-changing dialogue between brand and consumers. As marketing shifts to focus on pulling in customers, marketers need to rethink the interplay between paid, owned, and earned media.6 This requires marketers to find firms that can stay on top of the conversation wherever it is happening.

Intelligence: real-time insight into customer behavior. The volume and interdependency of data gathered in multiple fragmented channels provide an opportunity for marketers to learn more about their customers than at any time in the past. The challenge is to gather, analyze, and create actions as these insights materialize.
Grob zusammengefasst, kann ich zwei neue Entscheidungskriterien für die Agenturwahl aus der Studie ableiten:

1. Ist der Agenturpartner in der Lage, sich stets neuen Kommunikationsformen anzupassen?
2. Bringt er dabei das für das Unternehmen relevante Set an "Meta-Skills" für einen ganzheitlichen Blick auf die Lösung von Kommunikationsproblemen mit?

Und wieder klingt das auf den ersten Blick nach einem Allgemeinplatz.
Denn jede Agentur für sich in Anspruch nehmen, diese Felder zu besetzen.

Doch ich vermute, dass in den neuen Auswahlkriterien besondere große Chance für drei Agenturmodelle liegen:

1. Kleine autonome Konzeptionseinheiten und Freelancer-Netzwerke
Aufgrund ihrer Größe können sie günstig und projektorientiert Konzeptionsarbeit leisten. Sie sind flexibler und können sich wahrscheinlich schneller in neue Kommunikationsformen einarbeiten. Darüber hinaus sind sie in der Lage über Freelancer-Netzwerke schnelle Projekt-basierte Expertenteams zusammen stellen. Da sie in der kontinuierlichen Betreuung natürlich schwächeln, sehe ich diese Agenturform vor allem als Partner für strategische Innovationsprojekte.

2. Inhaber geführte Agenturen mit generalistischer Aufstellung.
Mittelständigen Agenturen, die statt auf Spezialisierung auf Diversifikation gesetzt haben und Kompetenzen aus verschiedenen Disziplinen unter einem Dach versammelt haben, werden nun belohnt.
Sie haben die Gelegenheit sich als Partner auf Augenhöhe neben den Marketingabteilungen zu positionieren - oder gegebenenfalls sogar als embedded agency im Unternehmen direkt zu arbeiten ohne den Overhead der großen Netzwerke. Sie trumpfen im Gegensatz zu den autonomen Einheiten mit ihren Produktionskapazitäten, stehen allerdings vor der Herausforderung die disziplinübergreifende Zusammenarbeit intern zu organisieren.

3. Außenseiter wie Design-Agenturen und Unternehmensberatungen

Mich hat die "Drei III Empfehlung" sofort an den von der global agierenden Design-Beratung IDEO propagierten Arbeitsprozess erinnert. Sie unterteilen ihre Arbeitsweise ebenfalls in drei III: Inspiration, Ideation und Implementation.

Und wenn man sich mit den großen Player dieser Branche (wie IDEO oder auch Frog-Design) beschäftigt, lässt sich feststellen, dass sie starke interdisziplinäre Intelligenz-Potentiale aufgebaut haben. Da Design-Prozesse genuin mit der Produktentwicklung zu tun haben, beginnen sie meist mit viel längeren, qualitativen Research-Phasen als in den meisten Werbeagenturen üblich.

Warum sollten die gesammelten Erkenntnisse über eine Zielgruppe aus dem Prozess der Produkt-Entwicklung nicht auch zur Vermarktung genutzt werden. Darüber hinaus scheinen von außen betrachtet die Berührungsängste zu wissenschaftlicher Forschung kleiner, das Interesse an effizienten Entwicklungsprozessen und Knowledge-Management höher und die Kreatitivität mindestens genauso stark.

Ähnliches gilt für Unternehmensberatungen. Sie können vor allem mit Kontakten in die obersten Führungsebenen und der Anziehungskraft für High-Potentials punkten. Und Agenturen sollten gewarnt sein, wenn Beratungen kreatives Potential aufbauen.

Agenturen hingegen, die ihr Geschäftsmodell und vor allem ihre Prozesse auf die Entwicklung einzelner Kommunikationsdisziplinen (PR, Online....) oder Produkten (Anzeige, Spot, Webseite) ausgerichtet haben, stehen vor einer Bewährungsprobe: Sie können ihr Spezialistenprofil schärfen mit dem Risiko künftig von anderen Agenturformen geführt oder gar zur Produktionsstätte degradiert zu werden. Oder sie bauen überdisziplinäre Kompetenzen auf bei gleichzeitiger Restrukturierung ihrer Arbeitsprozesse.

Doch wie das geht, kann keine Studie aufzeigen.

Quellen:
David Court, Dave Elzinga, Susan Mulder, and Ole Jørgen Vetvik (2010): The consumer decision journey, McKinsey Quarterly

Sean Corcoran, Dave Frankland, and Vidya Drego (2010): The Future Of Agency Relationships, Forrester Research