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Montag, 31. Oktober 2011

Kreativ-Tipps aus der Microsoft Nerd-Garage.

Auf Twitter hatte ich es ja bereits angekündigt: Ich gehe auf Tournee (zumindest ein wenig).

Die kommenden Wochen bin ich immer Dienstags in der Windows 7 - Nerd Garage von Microsoft zu finden, die durch deutsche Universitäten tourt. Dort halte ich Kreativ-Workshops für Studenten und erkläre ihnen, wie sie mit Kreativtechniken ihre Ideenfindung verbessern. Denn viele große Ideen sind in einer Garage geboren worden.

Der Prozess der Kreativität fasziniert mich schon lange. Ich habe darüber immer wieder Posts auf diesem Blog geschrieben und vor zwei Jahren einen langen Artikel zusammen mit Faktor 3 Vorstand Stefan Schraps verfasst.

Um so erstaunter bin ich immer wieder, dass gerade Institutionen, die von Kreativität leben so wenig Zeit darauf verwenden, diesen Prozess zu verstehen und zu optimieren. Das gilt leider sowohl für Agenturen als auch für Universitäten.

Statt Leuten Techniken an die Hand zu geben, die ihre Kreativität inspirieren, werden kreative Prozess oft mystifiziert: In Universitäten wird der Glaube an den einsamen, genialen Schreiberling gepflegt, der in der Bibliothek seiner Textgliederung folgt. Und in Agenturen verschwenden im Glauben an die Kraft von Teamwork und kreativem Chaos lieber Zeit in endlosen "Brainstorming-Meetings" mit "ausdenken" oder rumdenken", statt einem Prozess zu folgen.

Dabei gibt es Kreativ-Techniken für beinahe jede gedankliche Herausforderung. Egal ob man ein Produktidee, eine Werbeidee oder das Thema für die nächste Hausarbeit sucht. Egal ob man alleine oder im Team arbeitet.


Die Hauptsache ist, sich der Fragestellung klar zu sein, zu der man eine Idee sucht. 

Dann kann man mit Kreativ-Techniken prima arbeiten.
Und allein dieses Wiki listet viele Methoden auf,
um die Ideenfindung produktiver zu gestalten: http://www.mycoted.com/Category:Creativity_Techniques

Um so mehr hat mich die Anfrage von Microsoft gefreut, im Rahmen der Windows 7 Roadshow auf ein das Bedürfnis von Studenten einzugehen, sie in Sachen Kreativität zu coachen.

In den 90 Minuten Workshop erkläre ich kurz den Kreativprozess. Ich mache darauf aufmerksam, wie wichtig es ist zunächst möglichst viele Ideen anzustreben und sich nicht zu früh gedanklich zu beschneiden. Im Gegensatz zum Alltag gilt während der Ideenfindung der Grundsatz:
"Ich kümmere mich um Quantität, dann kommt die Qualität von ganz alleine!"


Das lässt sich bei am Beispiel der Filmproduktion am deutlichsten zeigen: Um 90 Minuten Film zu machen, werden oft viele Stunden Material gedreht und verworfen.

Anschließend mache ich deutlich, dass die meisten Ideenblockaden - die berühmte Angst vor dem weißen Blatt  - meist von eigenen Emotionen wie Ehrgeiz, Angst und Stress genährt wird. Und gerade hier helfen Kreativtechniken, die negativen Emotionen der eigenen Kreativität gegenüber zu überwinden. Sie verändern die Aufgabe und zwingen den eigenen Perfektionismus runterzuschrauben.

Natürlich sind sie keine Garantie für eine gute Idee geben. Aber Kreativtechniken erhöhen sie zumindest die Chancen eine Idee zu finden.

Ganz konkret üben wir in dem Workshop drei Techniken, die man mit dem Computer gut umsetzen kann:

1. Technik: Fokus Writing (manchmal auch Brain-Writing genannt)

Fokus Writing hilft einen Eintsieg ins Schreiben zu bekommen. Es ist die direkteste Variante die Angst vor dem weißen Blatt zu überwinden und mutig die ersten Gedanken oder Ideen zu Papier zu bringen.

Und das funktioniert so:
Man öffnet seine Textverarbeitung (wie Word) und blendet die Symbolleisten aus, damit einen nichts vom Schreiben ablenkt. Dann schreibt man für 5min alles auf, was einem zu einer gestellten Fragestellung einfällt auf. Mit dem Ziel den Schreibfluss nicht zu unterbrechen.

Dabei gelten zwei Regeln:

Löschen ist tabu! 
Die Rücktaste darf unter keinen Umständen betätigt werden. Auch nicht, um Wörter zu korrigieren.
Der Hintergrund: Seit der Schule sind wir auf ordentliche Rechtschreibung trainiert. Das führt dazu, dass wir gleichzeitig kreativ sein und ein ordentliches Ergebnis abliefern wollen. Doch Kreativität und Überarbeitung sind zwei getrennte Prozesse. Und leider denken die meisten Menschen deshalb beim Schreiben mehr über die Rechtschreibung nach, als über die Ideen, die sie aufschreiben. Doch selbst ein Text mit sehr vielen Tippfehlern ist schnell korrigiert.

Umherschauen und Pause machen ist verboten. 
Jeder kennt das Phänomen. Sobald einem beim Schreiben für zwanzig Sekunden nicht einfällt, hebt man den Kopf und blickt in der Gegend herum. So als suche man nach jemandem, der einem den nächsten Einfall ins Ohr flüstert. Oder viel schlimmer: Man klickt rüber zu Facebook.

Beides bricht den Fokus. Man möchte nicht weitergehen. Bösartig formuliert hat man entweder Angst vor den Ideen, die kommen könnten oder man ist so selbstzufrieden, dass die Einfälle bis hier hin schon ausreichen. Doch die Erfahrung zeigt, dass die guten Ideen stets nach dem ersten Gefühl von Ideenlosigkeit eintreffen.

Wenn also das Gefühl eintritt, dass einem nichts einfällt, ist es besser drei mal hintereinander zu schreiben "Mir fällt nichts ein" als den Schreibfluss zu unterbrechen. Ich gehe jede Wette ein, dass der Schreibfluss dann wieder einsetzt.

2. Technik: Chat-Storming
Diese typische Brainstorming Situation kennt jeder: Acht Leute sitzen um einen Tisch herum. Doch statt neue Ideen zu finden, wird gestritten. Jeder Teilnehmer hängt an seiner Lieblingsidee und versucht sie zu verteidigen. Die lauten Charaktere (die nicht immer die besten Ideen haben) setzen sich durch, die leisen Charaktere schlucken ihre Gedanken herunter. Nach einer Stunde bricht man das Meeting Ideenlos ab.

Diese Situation lässt sich mit einem einfachen Trick umgehen: Man zwingt die Teilnehmer in ein Chat-Programm (wie den WinLive Messenger). In den Chat dürfen für zehn Minuten nur Antworten/Ideen zu einer zuvor gestellten Frage geschrieben werden. Bewertungen oder Diskussionen sind tabu.

Der Vorteil: Alle Teilnehmer haben die gleiche Lautstärke und kein Gedanke geht im verbalen Stellungskrieg verloren, weil er im Chatprotokoll erhalten bleibt. Und wenn die Chat-IDs anonym vergeben werden, wird sogar der Mut erhöht, sich über Hierarchien hinweg zu setzen.


3. Make an Ad
Eine gute Idee lässt denjenigen, der sie hat, sofort ins Schwärmen kommen. Sie löst hunderte Gedanken aus, wie sie am Besten umzusetzen wäre. Und egal ob Produktidee oder Hausarbeit - schnell geht in der Begeisterung der Blick für das Wesentliche verloren.

Hier kann es helfen, für seine eigene Idee eine klassische Werbeanzeige zu skizzieren.

"Wie würde eine Werbung für meine umgesetzte Idee aussehen?"

Diese Frage zwingt einen dazu  auf begrenztem Raum die Features und Bedürfnisse hervorzuheben, die wirklich wichtig sind.

Und darüber hinaus, steckt in einer solchen Anzeige (z.B. für eine Hausarbeit) auch eine stark motivierende Kraft: Über den Bildschirm gehängt, erinnert sie den Ideen-Umsetzer daran, was er schaffen will.

In den bisherigen Workshops entstanden so spannende Ideen u.a. für das Handy der Zukunft:



[Kleiner Disclaimer: Diese Kreativtechnik führt sich natürlich ad-Absurdum, wenn man die Idee für eine Werbeanzeige sucht...;-) Aber dann gibts andere!] 

Wer jetzt noch mehr Futter zu dem Thema braucht, dem empfehle ich diese drei Bücher:

Donnerstag, 27. Mai 2010

Facebook und die Rhetorik der Landing Page.

Ich habe die letzen vierzehn Tage ein großes Pitch-Projekt begleitet und dort vor allem die Entwicklung einer Social Media Strategie für die PR-Abteilung des Kunden unterstützt.
Dabei sind mir während einer Facebook-Recherche Muster aufgefallen, wie Marken ihren Einstieg in die Seite gestalten und mit welchen Mitteln sie dort kommunizieren.

Ich möchte diese Muster als Rhetoriken zu bezeichnen, weil sie etwas darüber aussagen, was eine Marke mit ihrer Facebook-Seite über sich erzählen möchte und wozu sie ihre User bewegen wollen.

Ich denke, dass es mit dem Erkennen, Lernen und Verstehen von rhetorischen Mustern möglich ist, nicht nur Facebook-Seiten künftig besser zu planen. Deshalb möchte ich in zwei Postings die Rhetoriken von Facebook schreiben. Heute geht es darum, wie Marken ihren Einstieg auf die Facebook-Seite gestalten.

1. Die Rhetorik des Einstiegs

Ich meine derzeit vier Rhetoriken auszumachen, mit denen Marken ihre Facebook-Seiten eröffnen. Dabei geht es um User, die noch nicht Fan einer Seite sind. Fans landen immer auf der Pinnwand.

1.1 Der Adtrance (Ad + Entrance)

Der User wird von einem statischen "Welcome"-Tab (FMBL-Landing Tab) begrüßt. Dieser Landing-Tab liegt ästhetisch irgendwo zwischen Anzeige und Bannerfläche und ist mit starken Branding- und Bild- Elementen versehen. Unter Umständen sind das Video eines aktuellen Spots oder aktuelle Produktangebote eingebunden.

Ein Adtrance kommuniziert: Sieh her wie gut unsere Markenwelt und/oder unsere Produkte aussehen!

Das starke Branding geht zu Lasten der User Interaktion. Erst mit einem weiteren Click kommt man auf belebtere Teile der Facebook-Seite. Der Adtrance von Victoria Secrets versammelt "Banner", die alle aus Facebook hinaus führen:


1.2. Der Apptrance (Application + Entrance)

Eine Flash-Applikation begrüßt den Nutzer auf der Facebook-Seite. Diese Flash-Apps reichen von der animierten Introseite bis zu komplexen Facebook-Spielen.
Der Apptrance kommuniziert an den Besucher, dass die Marke in technisches Know-How und interaktive Angebote investiert. Diese Form des Einstiegs fordert sehr deutlich, dass man vom User erwartet, die Applikation auch zu nutzen.
Der Haken an diesem Einstieg ist unter Umständen die Ladezeit einer Flash-Applikation. Der Nutzer sieht dann erst mal nichts.

Beispiele sind u.a. Audi oder Volvo


1.3 Newstrance ( News + Entrance)

Der Users wird von der Pinnwand der Facebook Seite begrüsst. Trifft er hier auf eine hohe Frequenz von Unternehmensnachrichten, nenne ich es den Newstrance.
Er kommuniziert an den User: Sieh her, was unser Unternehmen für spannende Nachrichten und Stories produziert.
1.4 Salestrance (Sale +Entrance)

Erwartet den User hingegen eine hohe Frequenz von Produktangeboten, nenne ich es den Salestrance. Diese Form des Einstiegs setzt ein klares Signal: Es geht es ohne Umschweife ums Verkaufen.

Interpretation und User Experience

Ich möchte keine Wertung der Einstiegs-Rhetoriken vornehmen. Wenn Sie mit einer Zielsetzung gewählt wurden, können sie alle zum Erfolg führen.

Doch wohnt jeder der Einstiegs-Rhetoriken die Gefahr inne, dass sie aus dem gewohnten Denkschema der Produzenten und nicht aus der User Experience heraus gewählt werden.

Frei nach dem Sprichwort "Wer nur einen Hammer hat, für den sieht alles aus wie ein Nagel" lässt sich vermuten, dass verschiedene Abteilungen/Agenturen andere Präferenzen des Einstiegs haben.

Eine Vertriebsabteilung würde instinktiv eher zum Salestrance tendieren, die PR-Abteilung den Newstrance bevorzugen, die Online Agentur den Apptrance präferieren und die Klassik-Agentur zum Adtrance neigen. Und alle Abteilungen/Agenturen können ihren Einstieg mit guten Argumenten verteidigen.

Deshalb sollte die User Experience im Vordergrund stehen:
Wie soll sich der User fühlen, wenn er die Seite zum ersten mal auruft?

In seinem spanenden Buch "The Art of Game Design" beschreibt Jesse Schell, dass jede User Experience auf dem Zusammenspiel von Ästhetik, Geschichte, Technologie und Mechanik besteht. Es macht also Sinn die gesamte Facebook-Experience abteilungsübergreifend zu betrachten, bevor man den Einstieg wählt.
Meine Rhetorik Beobachtung sind allerdings erst ein Anfang die Sprache Facebook zu verstehen. Deshalb bitte ich um Kritik, Widersprüche und weitere Beispiele. Beobachtungen können nämlich auch täuschen.

Montag, 2. November 2009

Wie der Ideenfluß im Tagesrauschen nicht austrocknet.

Im stressigen Tagesgeschäft ist es oft nicht einfach die Aufmerksamkeit für Ideen und Inspirationen zu behalten, die man später eventuell gebrauchen kann.
(Wo ist sie hin - die Idee?
http://www.flickr.com/photos/35468141938@N01/189530394/)
Zwei Beispiele aus dem Alltag einer Kommunikationsagentur:
  • Die Pressemeldung ist fast fertig, da kommt eine Idee für einen anderen Kunden. Eine innere Stimme ruft: "Keine Zeit zum aufschreiben" . Schließlich muss die Pressemeldung in zehn Minuten raus. Die Idee ist vergessen.
  • Beim Fernsehen stolpert einem eine Idee entgegen, die für ein anderes Team interessant ist. Am nächsten Tag landet sie in der Mailbox des Teamleiters - und geht in der Flut der Ideen unter.
Der Verlust von Ideen und Inspirationen schmerzt jedoch, wenn große Jahres- oder Pitchkonzepte anstehen. Der Arbeitsdruck erhöht sich immer, wenn man das Gefühl hat, wieder bei Null beginnen zu müssen.
Wer hingegen über das ganze Jahr Ideen, Inspirationen und Informationen sammelt, geht entspannter in die Konzeptionsphase. Außerdem fallen beim Sammeln immer wieder Ideen ab, die sich proaktiv verkaufen lassen.
Zusammen mit Kollegen und Freunden habe ich einige Tipps gesammelt, wie man dem Alltag ein paar Ideen mehr abzwacken kann. Natürlich freue ich mich auch auf eure Vorschläge!
Die wichtigste Erkenntnis der Gespräche: Es scheint keinen Workflow zu geben, wie man sich am besten Informationen oder Ideen notiert und merkt. Jeder Mensch denkt anders und muss seinen eigenen Modus finden.
Anregungen:
Wochenblatt: Neben die Tastatur wird jede Woche ein neuer Zettel geklebt. Er besteht aus zwei Spalten: Neuigkeiten, die mir diese Woche aufgefallen sind und Ideen, die ich diese Woche hatte. Die Wochenblätter werden in einem Ordner gesammelt (Besser digital im Rechner)
Notiz- / Tagebuch: Der kreative Klassiker ist einen Block bzw. ein Notizbuch in der Nähe zu haben, in dass alle Gedanken einfließen. Ich selber bin ein großer Fan der Morgenseiten, die Schreibtrainerin Cameron empfiehlt: Gleich nach dem Aufstehen drei Tagebuchseiten mit allem füllen, was einem durch den Kopf geht ohne mit dem Stift abzusetzen. Denn morgens ist der Geist noch frisch und das Denken noch nicht mit To Do's zugepflastert.
Diktiergerät: Für Schreibfaule: Ideen ins Handy oder ein professionelles Diktiergerät einsprechen. Professionelle digitale Diktiergeräte, wie von Olympus, bringen die Software mit, um die Aufnahmen auf dem Rechner zu archivieren.
Software: Es gibt mittlerweile eine Menge Software Tools, die helfen das Gedächtnis zu entlasten.
Meine Favouriten:
* Delicious: Eine Webseite auf der man seine Internet-Lesezeichen verwalten kann.
* Netvibes: Hier lassen sich die Feeds von spannenden Blogs / Webseiten speichern und an andere weitergeben. Mit Netvibes kann man schnell einen eigenen Branchen-News-Reader aufbauen.
* Posterous: Eine Blog-Plattform, auf der man per Email posten kann.
* Evernote: Ein digitales Notizbuch. Es verwaltet die Notizen auf einem zentralen Server. Die Notizen sind mit Tags frei sortierbar. Zudem kann man mit jedem Handy auf die Notizen zugreifen und neue Notizen schreiben. Mein absolutes Lieblingstool.
Teilen
Informationen, Inspirationen zu teilen ist genauso wichtig, wie das Sammeln. Durch den Austausch entstehen neue Ideen.
Blogs: Ich betrachte den eigenen Blog nicht als “News-Medium” oder "Selbstdarstellung" betrachten. Er ist eine Erweiterung des Gedächtnisses und eine Einladung zum Dialog.
Ein Gedanke, der im Blog verewigt wird, geht nicht verloren und kann diskutiert werden. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass sich das Gehirn leichter an Zusammenhänge erinnert, über die man geschrieben hat.
Weekly Talks: Austausch braucht Raum und Zeit. Eine Stunde in der Woche, um formlos über Ideen und Branchennews zu sprechen, sind ein guter Anfang. Bei diesem Meeting sollte es nicht um konkrete Kunden, Projekte oder dringende Probleme gehen, sondern um den Wissensaustausch. Doch damit es kein Kaffeeklatsch wird, ist jeder Teilnehmer aufgerufen, eine Neuigkeit oder Idee vorzutragen. Man kann z.B. sein Wochenblatt vorstellen und ab und zu Teilnehmer aus anderen Teams einladen.
Inspirationswände: Wenn sich ein Jahreskonzept langsam ankündigt, lohnt es sich im Büro eine Inspirationswand zu installieren. Der Auftrag: Alle Inspirationen, Ideen, Notizen unkommentiert an diese Wand zu kleben. Dabei ist wichtig, dass die einzelnen Anregungen nicht kritisiert, sondern höchstens wohlwollend kommentiert werden. Erst wenn das Team richtig in die Konzeption einsteigt, werden die Ergebnisse besprochen und beurteilt.
Wer übrigens lieber am Bildschirm bleibt: Die Software Curio schafft digitale Inspirationswände.

Mittwoch, 30. September 2009

Value, Design Thinking und Planning

In seiner aktuellen Präsentation weist Planner Helge Tenno erneut darauf hin, dass Markenkommunikation heute die Lebenskontexte der Zielgruppe verstehen und "Werte" (Values) schaffen muss. Erst in Form von Services, Applications oder Erlebnissen finden Produkte und Marken heute noch Aufmerksamkeit.
Jedoch bleiben für mich zwei zentrale Fragen unbeantwortet:
1. Mit welcher Methode wird die geforderte "wertvolle" Kommunikation gestaltet?
2. Welche Rolle spielt das Planning dabei?

Vor ein paar Wochen habe mich bereits in einem anderen Post mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Damals bin ich zu diesem Schluss gekommen: Der erste Schritt in Richtung der geforderten Wertigkeit liegt darin, die Marketingstrategie mit einem emphatischen Blick auf den Menschen, den man erreichen will, und dessen Erlebnissen abzugleichen.




Aber auch aus meiner Forderung, dass Planner wie Experience Designer denken sollten, lassen sich noch keine Arbeitsanweisungen für "Marketing-Innovationen" ableiten. Doch darum geht es letztlich: Wir müssen neue Produkte & Dienstleistungen für Agenturen entwickeln. Deshalb lohnt sich ein Blick in das Innovationsmanagement.

Derzeit stolpere ich immer wieder über drei Innovations-Ansätze:

1. Open Innovation: Das Unternehmen öffnet sich zur Außenwelt und bezieht Kunden, Lieferanten und Experten in den Entwicklungsprozess mit ein.
2. Crowdsourcing: Die Maximalstufe eines Open Innovation Prozesses: Die Ideenentwicklung wird an die Masse der Kunden abgegeben. Schönes Beispiel: Tschibo Ideas.
3. Design Thinking: Eine Innovationsmethode, die darauf beruht, die Erfahrungen und Arbeitsweisen erfolgreicher Designer zu vermitteln und den Menschen in den Mittelpunkt des Innovationsprozesses zu rücken.

Der Begriff Design Thinking ist von der Stanford University und der Design Firma Ideo geprägt worden. Ich finde besonders diesen Ansatz besonders spannend, weil er mehr als einen Werkzeugkasten bereit stellt. Er ist Ausdruck eines anderen Blicks auf den Innovationsprozess, der sich zwangsläufig auch in der Arbeitsweise der Beteiligten ausdrückt.
" Design Thinking is a methodology that imbues the full spectrum of innovation activities with a human centered ethos."

"Thinking lika a designer can transform the way you develop products.services,processes - and even strategy"

Am MIT hat Tim Brown, CEO von Ideo, eine sehenswerte Video-Einführung in das Thema gegeben und im Havard Business Manager über Design Thinking geschrieben.




Seinen Ausführungen zum Design Thinking lassen sich grob in zwei Aspekten zusammenfassen:

1. Methode

Tim Brown teilt die Arbeit eines Designers in Inspiration (Recherche und Verstehen), Ideation (Ideenentwicklung) und Implementation (Testen und Umsetzen). Das ist auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich und unterscheidet sich kaum von anderen kreativen Arbeitsprozessen.

Interessant ist, dass er dafür plädiert diese Dreiteilung nicht als drei Phasen eines linearen Prozesses zu sehen. Denn in der Praxis verlaufen Designentwicklungen nicht linear. Man solle sich lieber drei Arbeitsräume vorstellen, zwischen denen der Designer wechselt.

Der wichtigste Raum, so Brown, sei aber keineswegs der Ideation-Raum, sondern der Inspiration-Raum: Gute Ideen kommen von selber, wenn man die Menschen, für die man etwas entwerfen möchte, wirklich verstanden hat.

Aber wirkliches Verständnis lässt sich nicht aus quantitativer Marktforschung gewinnen. Es verlangt von dem Designer die Lebenskontexte vor Ort zu untersuchen und sich emphatisch in eine Menschengruppe, eine Situation, einen Service hinein zu versetzen.

Im Havard Business Manager macht Brown den Arbeitsablauf mit diesem Schaubild deutlich:





2. Eigenschaften eines Design Thinkers

Tim Brown schreibt, er habe die Erfahrung gemacht, dass viele Leute auch ohne Ausbildung zu "Design Thinkern" werden können. Entscheidend sind diese Charakterzüge:

Empathie: Design Thinker versuchen Lösungen für Menschen zu entwickeln. Dafür ist es notwendig sich emotional in die Situation der Menschen hineinversetzen zu können, für die etwas entwickelt werden soll.

"They can imagine the world from multiple perspectives - those of colleagues, clients, end users, and customers (current and prospective). [...] Great design thinkers observe the world in minute detail. They nitice things that others do not and use their insights to inspire innovation." (Tim Brown)
Integratives Denken: Design Thinker denken nicht rein wissenschaftlich rational, sondern betrachten ein Problem integrativ, um ungewöhnliche Lösungen zu finden. Dazu ist ein breites Wissensspektrum nötig.

"We employ people who are engineers and marketers, anthropolgists and insustrial designers" (Tim Brown)

Experimentierfreude: Design Thinker dürfen keine Angst vor Sackgassen haben. Sie besitzen den Optimismus, dass es immer eine Lösung gibt, die besser ist, als die bestehenden Alternativen.

Teamwork: Design Thinker sind Kollaborateure. Die Komplexität von Produkten und Services ersetzt den Mythos des einsamen Genies.

Fazit und die Rolle des Planning

Design Thinking ist für Agenturen ein spannend, weil er die oft künstliche Kompetenztrennung von Plannern, Beratern und Kreativen auflöst. Man arbeitet schlicht als ein Team von Design Thinkern zusammen. Der Ethos des "Human Centered Design" hilft Agenturen zudem über Produkt und Marke hinaus wieder mehr an den Menschen zu denken, der mit den "Kommunikationsinnovationen" agieren soll.

Hier ist das Planning zunächst ganz klassisch gefragt, die Teamkollegen mit Informationen zu versorgen, damit diese sich, in die Menschen hineinversetzen können, für die sie entwickeln.

Als neue Aufgabe sehe ich hingegen, dass der Planner direkte Kontakte zwischen der Lebenswelt der Konsumenten und den anderen Projektbeteiligten herstellen muss. Darüber hinaus ist es an den Plannern bei Kunden und Beratern dafür zu streiten, dass den Design Thinkern in der neuen komplexeren Medienlandschaft mehr Zeit im Inspiration-Raum gewährt wird.

Und wäre ich nochmal zwanzig, ich würde Design Thinking in Potsdam studieren.

Montag, 21. September 2009

UP! - Wie das Erfolgsstudio die Unternehmenskreativität steigen lässt.

Gestern habe ich UP!, den neuen Animationsfilm von PIXAR, gesehen und bin schwer begeistert.

Kein Film hat mich in diesem Jahr mehr bewegt als die Geschichte des grantigen Rentners Carl Fredricksen, der mit seinem fliegenden Haus vor dem Altenheim flieht und mit einem jungen Pfadfinder eine abenteuerliche Reise erlebt.



Ich liebe die Pixar Filme für ihre Kreativität, ihre Geschichten, den Humor und die pefektionistische Detailversessenheit mit der sie produziert werden. Scheinbar ist der Ideenreichtum von Pixar unbegrenzt - eine Vorstellung, die jeden Kreativen entzückt.

Die kreative Brillianz des Studios kommt aber nicht von ungefähr. Sie basiert auf harter Arbeit, sowie der richtige Umgebung und Unternehmenskultur.
Bei Pixar ist man sicher, dass man es jedem Film ansieht, wieviel Spass die Mitarbeiter bei der Produktion hatten. Das wird in diesem Video besonders deutlich:



Besonderen Respekt habe ich vor der Tiefe mit der die Autoren, Animateure und Designer in die jeweiligen Geschichten eintauchen. Für den Film Ratatoullie mussten alle zentral Beteiligten gemeinsam einen Kochkurs besuchen.



In einem Artikel für den Havard Business Manager schreibt Pixar-Gründer Ed Catmull, dass Kinoknüller nie das Werk einzelner Genies sind. Sie können nur durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe entstehen. Darauf baut Pixars-Unternehmenskultur auf.
"Wir beschäftigen kreative Leute, wir setzen auf sie, wir gewähren ihnen umfassende Freiheiten und Unterstützung, und wir bieten ihnen ein Umfeld, in dem sie mit aufrichtigem Feedback von allen Seiten rechnen können" (Ed Catmull)
Neben der Zusammenarbeit auf Augenhöhe habe ich zehn weitere Anregungen aus seinem Artikel mitgenommen. Sie können helfen, die Kreativität ebenso steigen zu lassen kann, wie die Villa von Carl Fredricksen.

1. Vertrauen: Die Produktion wird vom Regisseuer und dem Produzenten gemeinsam geleitet. Sie tragen die Projektverantwortung vom Anfang bis zum Ende und haben immer das letzte Wort. Ihre inhaltliche Autorität wird Ihnen auch in Problemsituationen nicht vom Management entzogen.

2. Expertenrat: Wenn die Arbeit stockt, ruft das Produktionsteam einen Expertenrat aus den erfahrensten Pixar Kreativen und Managern ein (u.a. John Lasseter und Steve Jobs). Gemeinsam werden Löungen gesucht und diskutiert. Aber der Expertenrat hat keine Autorität. Er dient nur dem Austausch. Es besteht keine Verpflichtung für den Regisseur die Vorschläge anzunehmen. Nur so sei ein offener Meinungsaustausch möglich.

3. Dailies: Die Arbeitsteams treffen sich täglich zu kurzen Besprechungen.
Das habe drei Vorteile:
  • Die Scheu, unfertige Arbeit zu präsentieren, sinkt. Sackgassen werden früher erkannt, gute Ideen ebenso.
  • Wichtige Entscheidungen des Regisseurs oder des kreativen Leiters erreichen immer alle Projektbeteiligten. Niemand fühlt sich übergangen.
  • Die Beteiligten lernen und inspirieren sich gegenseitig.
4. Kommunikationsfreiheit: Bei Pixar hat jeder Mitarbeiter das Recht, ein beliebiges Mitglied einer anderen Abteilung "ohne Einhaltung des Dienstweges" anzusprechen, wenn es um die Lösung eines Problems geht. Das untergräbt weder die Hierachrchie noch die Autorität der Regisseure, denn Kommunikation und Rangordnung sind für Pixar zwei getrennte Dinge.
"Manager sollten lernen, dass sie nicht immer als Erstes erfahren müssen, was in ihrem Revier passiert." (Ed Catmull)
5. Austauschvielfalt: Jeder Mitarbeiter vom CEO bis zur Putzfrau ist eingeladen, seine Ideen und Meinungen zu einem Film abzugeben, solange sie begründet bleiben.

6. Externe Universitätskontakte: Pixar teilt Erfahrungen mit Universitäten und publiziert aktiv relevante Forschungsergebnisse. Der Kontakt zur Forschung und den dort ausgebildeten Talenten hat sich dabei stets als wertvoller erwiesen als die veröffentlichten Ideen.

7. Pixar University: Ein umfassendes Weiterbildungsprogramm, dass allen Mitarbeitern offen steht und von Animationsklassen bis zur Yoga-Stunde reicht. (Mehr zur Pixar University)

8. Architektur: Das Studiogebäude ist so konstruiert, dass sich die Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen permanent über den Weg laufen müssen.

9. Selbstanalyse: Egal ob Erfolg oder Misserfolg. Erst regelmäßige Rückschau-Meetings und ein klares Ablauf-Controlling sichern, dass Fehler nicht wiederholt werden.

10. Ermutigung. Pixar legt Wert darauf, junge Mitarbeiter zu ermutigen ihre Ideen vorzutragen und sie nicht aus Erfurcht vor dem System (dem "Awe-of-the-Institution-Syndrom") zurückhalten.

Donnerstag, 10. September 2009

Die digitale Ablenkungsfalle - Gedanken zur Motivation























Auf dem Blog von "Informationskurrator" Johanes Kleske bin ich auf dieses großartige Schaubild der digitalen Aufmerksamkeitsfalle gestoßen.

Es stammt von David McCandless, der Informationsvisualisierungen, für sein Buch (The Visual Miscellaneum: A Colorful Guide to the World’s Most Consequential Trivia) und für sein Blog (Information is Beautiful). erstellt.

Die Wahrheit des Schaubilds ist bestechend. Jeder mit dem ich darüber gesprochen habe, kennt das Gefühl: Vor lauter 'Social Media Kommunikation' kommt man nicht mehr dazu, die eigentliche To-Do-Liste abzuarbeiten - geschweige denn die Ruhe zu finden, um Ideen zu entwickelt und kreativ zu sein.

Ich glaube, wie müssen uns endlich vom Multitasking, dass den 'Digital Natives' nachgesagt wird, verabschieden. Das findet übrigens auch der Hirnforscher John Medina in seinem Buch Brain Rules und in diesem Video.



Denn es kommt noch schlimmer: Laut einem Artikel bei Telepolis werden wir heute alle drei bis fünf Minuten bei unserer Arbeit unterbrochen bzw. unterbrechen sie selber.

Das Phänomen hat bereits die "Information Overload Research Group" hervorgebracht. Und die amerikanische Journalistin Maggie Jackson vermutet in ihrem Buch "Distracted" sogar, dass der "homo connectus" vor lauter Aufmerksamkeitszerplitterung seine Kreativität verliert.

Jenseits von Kulturpessimismus glaube ich, dass die digitale Ablenkungsfalle auch ein Signal für den Motivationsverlust gegenüber der zu schaffenden Arbeit ist. Denn wer sich mit einer Aufgabe beschäftigen muss, die nicht motiviert, ist schnell verleitet sich noch mal schnell bei facebook einzuloggen, den Twitterstream zu prüfen oder zu kontrollieren, was sich neues im Xing Netzwerk tut.

Das muss nicht schlecht sein. Aus dem Flanieren auf Social Media Plattformen und der schnellen direkten Kommunikation mit dem Netzwerk kann die Inspiration entstehen, eine gegebene Aufgabe zu lösen. Die digitale Ablenkungsfalle wird dann zum Problem, wenn die Plattformen zum Zeitfresser werden - die Aufgabe und das dahinterstehende Motivationsproblem ungelöst bleiben.

Aber woher kommt die fehlende Motivation, die Social Media so verlockend macht?

Für den Philosophen Alain De Button ist Motivationslosigkeit ein allgemeines Problem unserer Zeit. Er beschreibt in seinem lesenswerten Buch "The Pleasures and Sorrows of Work", dass Spezialisierung und Arbeitsteilung in vielen Jobs das Verständnis raubt, warum man eigentlich tut, was man tun muss. Aus dieser Entfremdung heraus verliere man die Motivation, weil der soziale Sinn des Handelns, die Bedeutung des Jobs verloren geht. Nach dem Besuch einer Keksfabrik schreibt er:
"But however great the economic advantages of segmenting the elements of an afternoon's work [das Keksebacken] into a range of forty-year long-long careers, there was reason to wonder about the unintended side effects of doing so.
In particular, one felt tempted to ask - especially on sombre days, when the easward-bound clouds hung over the head office - how meaningful the lives might feel as a result.
[...]
I wondered whether the biscuits might not be part of the very problem that they had been designed to adress, whether their production and marketing was not indeed contributing to precisely the feelings of emptiness and nervous tension which they claimed to alleviate"
Doch neben der gesellschaftlichen Dimension des Motivationsverlustes, braucht man immer auch praktische Ansätze, wie man mit dem Phänomen umgeht. Der Autor Dan Pink ist der Meinung, dass viele Unternehmen heute nicht in der Lage sind, die richtigen Anreize für ihre Mitarbeiter zu schaffen. Es gehe bei der Kunst zu Motivieren meist nicht um Geld, sondern um Autonomie, Respekt und das Ausleben und Verbessern persönlicher Fähigkeiten.



Das Fazit: Je spannender die Aufgabe, der Job und die Umgebung, desto kleiner ist die digitale Ablenkungsfalle.

Letztlich ist dann die eigene Aufmerksamkeit gefragt, um der digitalen Ablenkungsfalle zu entkommen:
  • Welche Motivationen treiben den ständigen Kontakt in die Social Media Sphäre? Wieviel Arbeit bleibt dadurch liegen?
  • Wann sucht man Austausch und wann will man vor dem eigenen Schreibtisch zu flüchten?
  • Was hält davon ab, der Aufgabe mit Motvation zu begegnen?
  • Kann ich den Dialog für ein paar Stunden abbrechen, um im Stillen nachzudenken?

Dienstag, 1. September 2009

Ein paar Folien zur Kreativität

Ich habe letzte Woche in der Agentur einen internen Vortrag über Kreativität gehalten. Die Folien fassen alle meine Gedanken zusammen, die ich nutze, um den Mut zu mehr Ideen anzuregen.



Besonders die Folien 15/16/17 sind mir wichtig. Sie handeln von inneren Einstellungen, die helfen, kreativ zu arbeiten.

Einstellung 1: Kreativität braucht keine Genies

Unser Bild von Kreativen ist durch romantische, stereotype Vorstellungen verzerrt. Wir glauben, dass Kreative über den Dingen schwebende Schöngeister sein müssen, die schwarze Brillen tragen und von plötzlichen, genialen Geistesblitzen verfolgt werden.

Und natürlich tun echte wie vermeindliche Kreative einiges, um diesen Stereotyp zu erfüllen. Denn nur solange der Glaube an das Genie vorherrscht, solange lässt sich die eigenen Kreativität als etwas geniales, vererbtes, talentiertes, bewundernswertes verkaufen.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass alle Menschen die gleichen kreativen Fähigkeiten haben. Ganz sicher ist nicht jeder der nächste Picasso, Edisson oder Spielberg. Aber jeder Mensch hat kreative Fähigkeiten und kann diese nutzen. Deshalb glaube ich, die Behauptung "Ich bin nicht kreativ" wird meist aus Furcht vorgeschoben. Die Angst überwiegt, nicht dem Stereotyp eines Kreativen zu entsprechen und deshalb mit der Idee scheitern zu müssen.

In "If you want to write" weist Brenda Ueland alle darauf hin, dass man bei kreativer nichts zu verlieren hat:

"Take chances and strech yourself. I am only here on this planet once, and for a very short time at all. Why not see how gifted I am? I may surprise someone. Most importantly, i may surprise myself“

Einstellung 2: Kreativität braucht kein besonderes Ambiente

Wer kreativ arbeitet, kennt den Wunsch nach einem inspirierenden Ort, um zu arbeiten.
"Hätte ich jetzt ein Atelier mit Rotwein und Kerzenschein, dann würden die Ideen sicherlich von alleine fließen", sagt man zu sich selbst, verschiebt die Ideenfindung auf später oder lässt sie gleich bleiben.
Die bittere Wahrheit ist jedoch: Das Ambiente spielt im kreativen Proßess keine so große Rolle wie man denkt, solange man sich vor Lärm und Unterbrechung zurückziehen kann.
In gefühlten 98% der Fälle ist hingegen die Angst zu groß, vom Ergebnis der kreativen Arbeit enttäuscht zu werden, dass der Raum als Entschuldigung herhalten muss.

Kreativitätcoach Julia Cameron vergleicht diesen Entschuldigungstrick mit den Ausflüchten, die in langjährigen Beziehungen benutzt werden, um den Sex zu umgehen.
Die körperliche Zuneigung schläft ein, weil die Partner eine entäuschende Liebesnacht fürchten. Schließlich ist der prickelnde Zauber der verliebten ersten Nächte längst verflogen. Es sind also übertriebene Erwartungen, die der Erotik im Weg stehen. Der Mangel an Kerzenschein dient nur als Ausrede. Meist reichen schon ein paar Berührungen, um sich zu überwinden. Schiefgehen kann's trotzdem. Aber für guten Sex braucht es eben auch jede Menge schlechten Sex. Mit Ideen ist das ebenso.

Einstellung 3: Kreativität lässt sich trainieren

Es ist wie immer. Was man häufig tut, wird mit der Zeit einfacher. Allerdings besteht Training nicht nur aus Disziplin sondern aus Aufmerksamkeit und Engagement. Das gilt besonders in der kreativen Arbeit. Der Geist muss nicht nur mit Informationen bewußt ernährt werden, sondern braucht auch Ruhe und Inspirationspausen. Es ist wie beim Lauftraining. Wer es vor lauter Ehrgeiz und Disziplin übertreibt, hat am Ende nur einen Knieschaden davon.

Noch schwerer finde ich, sich bei wachsender Erfahrung an die Basics zu erinnern. Erfahrene Kreative neigen dazu, die Basics - wie Notizen machen oder Kreativtechniken - als Zeitverschwendung abzutun. Damit vergibt man aber die Chance auf bessere Ergebnisse. Mir hilft es manchmal weiter, mich an die BRAIN Formel zu erinnern, mit der John Maeda den Lernprozess umschreibt:

Basics are the Beginning
Repeat yourself very often
Avoid Desperation
Inspire with examples
Never forget to repeat yourself

Dienstag, 18. August 2009

Blockadenbrecher. Wenn Ideen nicht kommen wollen.

Die Furcht vor dem weißen Blatt kennt jeder. Sie ist normal. Außer vielleicht für Amir Kassai, den die Welt in einem Interview unlängst als Deutschlands kreativsten Werber bezeichnet hat. Das Geheimnis seines Erfolges: Er musste als Kindersoldat im ersten Irakkrieg seine Angst aufgeben.

Keine schöne Vorstellung. Deshalb schlage ich vor auf Kriegserfahrungen zu verzichten und Wege zu suchen, produktiv mit der Weißblattfurcht umzugehen.

Es gibt viele Gründe, warum die Kreativität nicht fließen will: schechtes Briefing, unkonkrete Aufgaben, Zeitdruck, zuwenig Informationen, Verständnisprobleme usw.

Doch die meisten Blockaden sind emotionaler Natur. Sie lassen sich fast immer auf die Angst zu Scheitern zurück führen.



Kurzum: Das Blatt, die PowerPoint Folie oder die Anzeige bleibt leer, weil die Furcht übertrieben groß ist, sich mit dem Ergebnis lächerlich zu machen und die hart erarbeitete Anerkennung zu verlieren.

Erst mit Gelassenheit und Vertrauen auf die eigenen kreativen Fähigkeiten lässt sich die Blamagenpanik realistisch einzuschätzen. Dabei muss man sich vor Augen halten: Jede Idee hat das Potential ein Erfolg zu werden - außer der, die nie ausgesprochen wird.

Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Zumal es uns im Alltag oft an Gelassenheit fehlt. Das behauptet jedenfalls der Philosoph Alain de Botton. In seinem Vortrag auf der TED Konferenz analysiert er, warum modernen Gesellschaften die Gelassenheit verloren gegangen ist und rät uns, unsere Vorstellungen von Gewinnen und Verlieren ernsthaft in Frage zu stellen. Nicht jeder Mißerfolg stempelt einen lebenslang als Looser ab.



Gut zu wissen, oder? Aber was kann man tun, wenn wirklich eine Idee schnell gebraucht wird?

Kreativitätstechniken sind das Aspirin der Ideenfindung. Ein schnelles, kurzfristiges Mittel um Blockaden zu lösen. Langfristig erfolgreicher ist es hingegen, die emotionalen Hindernisse zu akzeptieren und eigene Wege zu trainieren, sie zu umschiffen.

Die amerikanische Bestsellerautorin Elizabeth Gilbert stellt sich beispielsweise ihre Kreativität als unkontrollierbare 'Fee' vor, die ihre Arbeit mit Feenstaub belegt. Die launige Fee schwirrt um Gilberts Texte herum und man kann die durchaus anschreien, wenn trotz aller Bemühungen keine Idee kommen will.

Keine Sorge - Elizabeth Gilbert hat keine tiefgreifenden mentalen Probleme. Es ist eine Metapher. Sie soll die Autorin daran erinnern, dass es nicht ihre Schuld ist, wenn der zündende Gedanke nicht sofort da ist. So kann sie loslassen, eine kurze Pause machen und inspiriert an den Schreibtisch zurückkehren. Mit einer Idee.

Freitag, 3. Juli 2009

Kreativitätsdiskussion mit einer einfachen Wahrheit - Mein Ergebnis vom Addcamp Frühstück





Am 25. September findet das ad(d)camp Hamburg statt, dass sich mit der Zukunft der Werbebranche beschäftigt. Bereits heute morgen haben sich interessierte Werbe- und Marketingleute zur Ouvertüre im f&b Deli am Pferdemarkt getroffen.
Beim Frühstück wurden erste Themen diskutiert, Kontakte geschlossen und die Sessions für Veranstaltung im September vorbereitet. Ich selber konnte nur gute neunzig Minuten dabei sein. Die waren dafür um so inspirierender.

Ich habe ein langes Gespräch mit Dorothee Wolter über die Kreativität in der Branche und kreatives Arbeiten geführt. Sie ist Geschäftsleiterin der Postproduktion Optix. Darüber hinaus hat Sie zusammen mit einem Freund ein Buch über eine Reise nach Südafrika geschrieben, die Sie nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten haben.
Das Interessante an der Entwicklung diesen Buches ist, dass es nie für eine Veröffentlichung geplant war. Es ist aus einem Blog entstanden, den die Beiden für ihre besorgten Freunde zuhause geführt haben. Und nur die Ehrlichkeit der Texte, so glaubt Dorothee Wolter, hat den Blog über ihre Freunde hinaus so bekannt gemacht, dass eines Tages der Rowohlt Verlag anrief.

Diese Geschichte gab der Diskussion eine entscheidende Wendung, nachdem wir zuvor die üblichen Hindernisse kreativen Arbeitens abgehakt hatten (enge, hierachische und mechanistische Strukturen, übertriebe Mafo, Prinzipal Agent Situationen).

Wir kamen zu dem Schluss: Das größte Hindernis für kreatives Arbeiten ist der Wille, es allen Recht zu machen.

Darunter leiden sowohl Produktforschung als auch Marketingstrategien, wenn sie versuchen direkt für den Massenmarkt zu konzipieren. Das führt aus Angst vor Ablehnung, Versagen, Kündigung schnell in eine Innnovationsblockade. Die Gefahr wächst, dass man sich in unendlichen Abstimmungsrunden und Befragungen verzettelt, bis von der Idee nichts mehr übrig ist. Und als Ausweg neigt man schnell dazu, das Erfolgsrezept eines anderen zu kopieren in der Hoffnung, dass es noch einmal gelingt.

Jedoch kann die Umkehrung dieses Prinzips nicht lauten, es keinem außer sich selbst Recht zu machen. Denn mit dieser egozentrischen Sichtweise, entzieht man sich der Möglichkeit zum Austausch, zum Lernen und zur Kooperation.

Der dritte Weg ließe sich dann so beschreiben:
Mach das, woran du glaubst, für Wenige aber mit allem Engagement, dann können viele kommen - oder auch nicht (denn Scheitern gehört leider zum kreativen Arbeiten dazu).

Das klingt zwar reichlich esoterisch und erfordert viel Mut.
Es ist jedoch ein Hinweis, der sich auch in vielen Ratgebern gegen Schreibblockaden befindet. Sie empfehlen beim Schreiben die vier Personen vor Augen zu haben, denen man vertraut, dass sie den Text wohlwollend, wenn auch ehrlich kritisch lesen.

Dienstag, 30. Juni 2009

Der Mensch steht im Zentrum der Kreativität oder im Gefängnis der Tools.

Durch Zufall habe ich den Vortrag"Kommunikation als Seele der Innovationskultur" des Soziologen Holger Rust gefunden, den er bereits 2005 auf einer österreichischen Tagung zum Thema Innovationsfähigkeit gehalten hat.

Seine sehr detaillierten und streckenweise zu wortgewaltig inszenierten Ausführungen kulminieren in einer These, die mich (nicht nur mit Blick auf die Arbeitsweisen in (Kreativ-)Agenturen) ziemlich nachdenklich gemacht hat:

Innovationsfähigkeit/Unternehmenskreativität ist keine Frage von Tools, Technologien oder Managementprozessen. Sie hängt viel mehr davon ab, ob und wie Talente mit Veränderungswillen in einem Unternehmen durch Freiraum gefördert werden.
" Nicht Moden und Methoden, Regeln und Rezepte bestimmen den Erfolg, sondern Individuen, die bereit sind sich zu engagieren. Diese Bereitschaft ist um so größer, je klarer die Möglichkeit dazu eingeräumt wird. Durch die Begeisterung für die Gemeinschaft, in der Wissen produziert wird, in der Verkäufer und Entwickler, Marketingleute und manche junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
zusammensitzen, von denen man noch nicht weiß, wozu man sie eigentlich eingestellt hat.

Denn Kreativität ist nicht das Genie des einzelnen.
Kreativität ist das Produkt einer Umgebung, die Kreativität fördert. Kreativität ist das Resul-
tat herrschaftsfreien Denkens (was nicht heißt, dass die klassischen Hierarchien aufgelöst
würden, ganz im Gegenteil: Ohne Führung wird die Situation des herrschaftsfreien Denkens
nie entstehen. [...]

Eine Kultur der K-Worte: Kommunikation mit Kollegen, Kunden und Konkurrenten
um das Ziel der Kreativität zu erreichen, mit den Methoden der I-Worte: Initiative, Ideen-
reichtum, Innovationsfreude, Intelligenz." (Rust)
Doch Rusts Kritik geht noch weiter: Er sieht besonders den ständigen Wunsch Arbeitsprozesse zu rationalisieren als Grund für die Innovationsmüdigkeit. Prozesse, Standarts, Evaluierungen und Tools versprächen oft nur die Arbeit zu erleichtern oder die Zeit zu schaffen, um sich mit Innovationen beschäftigen zu können. Das funktioniere nicht, so Rust.


In Wirklichkeit schafften Prozessoptimierungen fast immer ein Gefängnis aus Abläufen und Regeln. Der Mensch wird zum Zahnrad im System degradiert und verliert die Fähigkeit frei zu Denken. Schuld daran haben allerdings nicht die Tools. Es sei vielmehr die vorherrschende funktionalistische, technokratische Denkweise in deutschen Unternehmen. Der Denkfehler ist Tools nicht als Hilfsmittel zu betrachten, sondern als Lösung.
" Sie [die Unternehmenslenker] gehen von der Idee aus, dass die ganze Welt ein Problem darstellt, das sich mit Formeln, Modellen und Systemen lösen lässt. Sie verwechseln die wunderbaren Dienst-
leistungen der Software-Erfinder, [...], mit der Lösung aller Probleme.

Sie suchen daher nach ähnlichen Systemen zur Fundierung ihres Denkens, nach einem Vokabular für ihre professionelle Kommunikation. Dabei soll doch das, was erarbeitet wird an Systemen und Erleichterungen („Tools“) den Menschen nur vom Zwang emanzipieren, wiederkehrende Prozesse auch wiederkehrend immer wieder formelhaften aufs Neue zu bewältigen – und dies gemeinsam mit anderen.

Soll dazu dienen, Muße für Nachdenklichkeit und das professionelle Gespräch zu ermöglichen, um die Welt zu verstehen und innovative Kreativität zu entwickeln. So aber, unter dem Druck der modischen Vokabeln mutieren sie zu systemgesteuerten Vollzugsbeamten ihrer eigenen engen Wirklichkeitsvorstellungen, fest eingebunden ins Netzwerk der Traditionen und gut „aufgestellt“. Ihr Ziel: Erfolg. Der Erfolg: Fraglich. "
Ich habe Rusts Kritik für mich so zusammengefasst:
Solange der Glaube vorherrscht, dass sich jeder Unternehmensablauf wie bei einer Maschine prozessoptimieren lässt, bleibt dem Unternehmen die eigene Innovationskraft verschlossen. Die Mitarbeiter sind zu sehr damit beschäftigt, sich mit der scheinbaren Optimierung und Spezialisierung des Tagesgeschäfts auseinanderzusetzen, als eigene Ideen und Gedanken im Austausch zu entwickeln.

Das kostet Motivation. Wer wie am Fließband Vorlagen ausfüllt, findet keinen Raum mehr, um sich einzubringen (Stichwort Entfremdung: Warum tue ich das eigentlich?). Dabei geht der Blick für die eigentliche Aufgabe (Was tue ich eigentlich?) ebenso verloren wie der Bezug zur Wirklichkeit außerhalb der Arbeitsprozesse des Unternehmens.

Betriebsblind nennt man das ganz unwissenschaftlich und sich an die Fließbandszene im Film Modern Times von Chaplin erinnert. Wer kann von dem Tramp unter diesen Umständen noch Mitdenken erwarten.



Den entstehenden Realitätsverlust durch Betriebsblindheit versuchen Unternehmen mit dem Einkauf von Talenten, externen Beratern oder Trendexperten (mit denen Rust zu Hart ins Gericht geht) zu kaschieren. Das ist in etwa so, wie einen alten Motor durch ein neues Ersatzteil oder neuen Kraftstoff am Laufen zu halten. Der Erfolg ist fraglich. Junge Talente sind binnen kurzer Zeit im alten Motor durch Anpassung verschlissen. Der "Turbodiesel" Beratung schnell verbrannt.

Einen Ausbruch aus dem Optimierungskarussel sieht Rust in zwei Punkten:
  • Gelassenheit: Einer kritischeren, gelassenere Haltung Standarts und Prozessen gegenüber. Eine Haltung die Abläufe als Hilfsmitte und nicht als Zwang sieht. Eine Haltung, die erlaubt, Abläufe zu hinterfragen und zulässt, wenn Ergebnisse auf anderem Wege erreicht werden. Oder um es in eine Phrase zu pressen: Know the rules, to break them properly.
  • Zuhören und Loslassen: Eine Kommunikationskultur, die über Prozesse, Tools, Erfahrungen und Hierachien hinweg zuzuhören kann und zum Wandel bereit ist. Dazu ist das Vertrauen nötig, dass Mitarbeiter auch außerhalb der Standardabläufe in der Lage sind, gute Arbeit zu leisten. Das Loslassen der Kontrolle wird belohnt, denn es können Lösungswege jenseits der Standarts entstehen. Und die sind eventuell viel intelligenter als die Alten. In einer solchen Atmosphäre lassen sich Talente fördern, selbst wenn ihre Ideen allen Kenntnissen, Optimierungs- und Managementplänen widerspricht.
Damit binde man nicht nur die jungen Talente an das Unternehmen. Man schaffe erst die Umwelt in der sich Talente entfalten können, so Rust.
"Kreativität und Innovationskraft ist das Ergebnis einer Unternehmensstrategie, das jungen Leuten Entwicklungsversprechen gibt. Früher hatte man einen Ausdruck dafür: Spaß an der Arbeit. Ist das nicht interessant, wie man am Ende auf die einfachsten Dinge zurückkommt, das Menschliche? "
Ich habe mich beim Lesen über mich selbst erschreckt. Oft schwadroniere ich von Kreativtechniken, Ideenmanagement und Enterprise 2.0 und meine damit nur die Tools - nicht den Menschen in seinen Arbeitskontexten. Dabei vertritt Gentry Underwood, Chef Knowledge Sharing bei IDEO, die Meinung, dass jedes Tool unbrauchbar ist, wenn niemand es gerne benutzt oder es nicht in die Unternehmensatmosphäre passt.

Human Centered Design gilt eben auch für Arbeitsabläufe. Es ist wichtig sich zu fragen, wie man die Kreativität von Menschen in einem spezifischen Arbeitskontext fördern kann. Nicht welches Innovationsmanagment-Tool man den Mitarbeitern jetzt aufzwingt.

Freitag, 19. Juni 2009

Brainstorming und Ideenfindung - Eine Hand voll Links




















Seit einiger Zeit beschäftige ich mich immer wieder mit dem Thema Creative-Coaching. Dabei habe ich jede Menge Quellen zu Kreativitätsförderung und Kreativitätstechniken gesammelt.
Die unten genannten geben einen schnellen Einstieg in das Thema für alle die quälend langweilige Brainstorming leid sind.
Weitere Links habe ich übrigens bei del.ico.us unter dem TAG "Kreativität" abgelegt.
Und selbstverständlich freue ich mich über jeden neuen Tipp.

Videos

Tim Brown über Kreativität


Der Designer Tim Brown gibt in diesem TED-Vortrag inspirierende Denkanstöße zum Thema Kreativität, die für ihn auf drei spielerischen Konzepten basiert:

1. Erforschen – Das Sammeln von möglichst vielen Handlungsmöglichkeiten/Idee

2. Ausprobieren – Das Bauen von einfachen Prototypen

3. Einfühlen – Sich spielerisch in das Leben von anderen Menschen einfühlen.

Kinder beherrschen diese Spielformen scheinbar von Geburt an. Sie machen einen Stock zum Schwert, bauen wildeste Architekturen in Lego oder wechseln binnen einer Sekunde ihre Identität vom Feuerwehrmann zum Höhlenforscher.

Als Erwachsener sieht das anders aus. Mit der Schule wird uns die “Playfulness” systematisch wegtrainiert. Wir haben Angst davor, uns zu blamieren. Oft entschuldigen wir uns für Ideen und Kreativität im Vorfeld und neigen dazu, die erstbeste Lösung als richtig zu betrachten. Vor allem aber editieren Erwachsene Lösungen lieber, statt das Risiko einzugehen, etwas zu probieren und zu scheitern. Und einige Menschen können nur unter Drogen ihre inneren Hemmungen überwinden.

Aber die Bereitschaft zu Spielen ist für den kreativen Prozess notwendig. Und Unternehmen wie Google versuchen einiges, um dafür eine vertrauensvolle, sichere Atmosphäre zu schaffen.

Brainstore Methode

Das schweizer Unternehmen Brainstore verdient sein Geld mit Ideenfindung. Dabei haben sie eine eigene Methode entwickelt, um Ideen "industriell" zu produzieren. Dabei setzen sie zunächst auf Quantität, um dann die Perlen in den Ideen zu finden.

Teil 1:


Teil 2:


Teil 3:


Weblinks:

Buch und Text:

Mein Gedanken zu dem Thema erscheinen ganz nebenbei im Herbst dieses Jahres im Symposion Verlag:
Christian Riedel/ Stefan Schraps: Idea-Company. Wie Unternehmen kreativer werden. In:Grundlach, C., Glanz, A., Gutsche, J (Hrsg.): Vorstufen im Innovationsprozess - Von der Idee zum Business Case. Hardcover incl. CD-Rom; Düsseldorf: Symposion Publishing.

Donnerstag, 2. April 2009

re:publica: Mehr Wissen mit Web 2.0

Eigentlich wollte ich von der re:publica live bloggen. Das hat technisch nicht geklappt. Also kommt der erste Konferenzpost etwas zeitversetzt, mit dem ich über mein medienkulturelles Hauptinteresse auf der Konferenz berichte: Wie ändert sich eigentlich die Weitergabe von Wissen über die digitale Vernetzung? Und da war der Knowledge Management Vortrag von IBM am Mittwoch ein guter Start.

Social everywhere
- wie das Web 2.0 die Unternehmen erobert

Gleich zu Beginn seines Vortrages über Unternehmens Wissensmanagement durch Web 2.0 Technologiesn hat Dr. Peter Schütt, Leiter Software Strategie und Wissensmanagement bei Lotus, einen Klimawandel im Saal verlangt: Die Laptops sollten offen bleiben. Er erwarte, dass das Publikum der Republica in der Lage sei, selektiv zuzuhören. Es sei nämliche eine Schande, dass in Meetings verlangt werde, offline zu gehen. Denn oft genug, könne man die Zeit auch produktiver nutzen oder direkt aus der Besprechung heraus Kontakt mit einem Experten aufzunehmen.

Denn heute wie gestern gilt: Der schnelle Zugriff auf das Wissen der Mitarbeiter ist der Schlüssel zum Unternehmenserfolg. Arbeiten sei heute hauptsächlich zeitkritisches Problemlösen. Aber niemand ist in der Lage alle Probleme schnell und selbstständig zu lösen. Deshalb ist die wichtigste Kernkompetenz eines Mitarbeiters, die Fähigkeit schnell das nötige Lösungswissen anzueignen.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Allerdings wurde bis in die 90er Jahre Wissensmanagment oft nur als Datenbank gesehen in der Dokumente verstaubten. Das Hauptproblem dabei war, dass und der Content oft langweilig geschrieben und schlecht indiziert wurde und nicht der sozialen Praxis entsprach, wie Mitarbeiter im täglichen Leben Probleme lösen. Im Tagesgeschäft verlassen sich Mitarbeiter nämlich eher auf ihr soziales Netzwerk im Unternehmen (auf den Kollegen am Nachbartisch), als auf eine Datenbank, in der sie lange suchen müssen. Es ist schließlich immer schneller, jemanden zu fragen, der sich auskennt, als im stillen Kämmerlein ewige Recherchen durchzuführen.

Aber genau dieses Suchverhalten ist für Unternehmen kritisch. Bisher tauschen Mitarbeiter Dokumente und Erfahrungen meistens per Mail aus, ohne dass Mitarbeiter von diesem Wissenstransfer etwas mitbekommen oder die ausgetauschten Dokumente in einer Suchmaschine indiziert werden können. Wissen geht verloren und wird unnötig wiederholt.

Deshalb betrachtet IBM den Menschen als ganzheitlichen Wissensträger. Wenn möglich sollen alle Denkprozesse mit Web 2.0 Technologien transparent und suchbar gemacht werden. Mitarbeiterblogs seien ein guter Start. Bei IBM hat jeder der über 300.000 Mitarbeitern die Möglichkeit einen Blog zu führen. Etwa 60.000 Mitarbeiter schreiben heute aktiv. Peter Schütt selbst hat eine Regel für seinen Blog: Wann immer ihm zwei Kollegen die gleiche Frage stellen, schreibt er einen Artikel. "So vermeide, dass ich die Frage noch dreimal beantworten muss", sagt Schütt. Microblogging sei die nächste logische Stufe, um den schnellen Austausch in Team zu sichern, die räumlich getrennt arbeiten und sich nicht mehr in der Kaffeeküche begegnen können.

Dadurch, dass alle Wissensprozesse transparent werden, findet derjenige, der ein Problem zu lösen hat, in jedem Fall schneller einen Ansprechpartner. Und sogar die Suche nach Hilfe lässt sich automatisieren. Zum Beispiel kann in CRM Software heute schon zu Kundenfragen immer einen Experten angezeigt, den der Kundenberater direkt ansprechen kann, um dem Kunden schnell die beste Antwort zu geben. Eine IBM interne Studie habe sogar gezeigt, dass hochvernetzte Teams etwa zweimal so Umsatzstark sind, wie weniger vernetzt arbeitende Teams.

In seinem abschließenden Ausblick hat Schütt eher kryptisch den nächsten Schritt des Wissensmanagement beschrieben: Unternehmen sollen dann auch das Wissen von Kunden integrieren. Das sei vor allem für das Marketing interessant. Wie das genau funktionieren soll, konnte er aber auch nicht darlegen.

Um die Veränderungen des Arbeitens durchzusetzen, setzt Schütt auf die Avandgarde der Republica Besucher. Sie müssten den Technikverängstigten die Furcht nehmen und ihnen deutlich machen, was groß auf einer der letzten Folie stand: "Yes, Blog, Bookmarks and social Networks can be good for your career".

Auf eine Frage fand Schütt allerdings keine Antwort: Wie schult man die intelligente Ansprache von Experten? Anderenfalls droht eine Mentalität, in der reflexmässig jemand anderes gefragt wird, ohne selber nachzudenken. Denn das könnte dazu führen, dass alle Problemlöser miteinander reden und dabei vergessen ihre Probleme zu lösen.