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Dienstag, 13. Oktober 2009

Social Media Case: UGLY DANCE WORLDCUP - Interview mit den Machern

Am vergangenen Samstag war ich beim ersten Ugly Dance Worldcup im Hamburger Club Terrace Hill. Ich war live dabei als das Team Neukirchen mit wirklich grauenhaften Moves den ersten Weltmeistertitel holte.


(Die Weltmeister im Häßlichtanzen / Foto: Financial Times Deutschland)

Die Idee für den ungewöhlichen Contest stammt von den Hamburgern Florian Schüppel, Falko Ohlmer, Christian Müller und Björn Willemsen.
Sie haben vor etwa sechs Wochen zum Ugly Dance World Cub auf Youtube aufgerufen und von da an täglich auf ihrem Blog und auf Facebook über die eingehenden Bewerbungen berichtet.


(Aufrufvideo Youtube)

(Blog & Facebook)

So ist aus einer lustigen Idee ein Event entstanden, für das sich Teams aus Frankreich, Bayern und Afghanistan beworben haben.

Und nicht nur das: Die Weltmeisterschaft hat etwa 1400 Fans auf Facebook versammelt und die geballte Medienaufmerksamkeit von der Financial Times bis zu RTL Explosiv auf sich gezogen: Clippings. Mehr Aufmerksamkeit als viele teure Social Media Kampagnen von PR und Werbekampagnen bisher generiert haben.

Grund genug, um die Veranstaltern über ihren Erfolg zu befragen. Schließlich haben Sie die gesamte Promotion ihres Events über Social Media organisiert. Florian Schüppel hat promt auf meine Fragen reagiert und Sie ausführlich beantwortet. Vielen lieben Dank dafür.

Das Interview

Wie seit ihr auf die Idee gekommen?

Das war realtiv einfach das Thema hat sich uns aufgedrängt. Wir mussten lediglich beobachten und handeln. Seit Dekaden tanzen wir selber mit Vergnügen hässlich und haben festgestellt, dass wir mit dieser Leidenschaft nicht alleinen sind. Überall auf der Welt gibt es Mitstreiter, die mit unterirdischen Bewegungen sich und ihre Betrachter begeistern. Wir haben diesen Trend erkannt und beschlossen, dem Einheitsbrei auf den gemeinen Tanzfluren den Krieg zu erklären. Die Welt war einfach bereit für diese Meisterschaft.

Seid ihr ein großes finanzielles Risiko eingegangen, um die Idee umzusetzen?

Da wir mit einfachen aber effektiven Mitteln gearbeitet haben, hielt sich das Risiko in Grenzen. Viele Freunde haben uns unterstützt, ob im Videoschnitt, bei der Webprogrammierung oder an der Kasse beim Event. Vielen Dank an dieser Stelle an alle Supporter. Außerdem haben wir vom Organisationsteam unsere sehr unterschiedlichen Kompetenzen genutzt und das Meiste selber gemacht, was andere unter Umständen ausgelagert hätten (Design, Fotos etc).

Wie lange war eure Vorbereitungszeit, von der Idee bis zur Umsetzung?

Die Idee schwirrt schon seit zwei Jahren in unseren Hinterköpfen. Auf einer Party Anfang des Jahres entstand mal wieder ein spontaner Hässlichtanz-Kreis. Das war sogar im Terrace Hill, dem späteren Veranstaltungsort der Weltmeisterschaft. Aus dieser Bierlaune heraus beschlossen wir, früher oder später die Weltherrschaft übernehmen zu wollen und hielten die Organisation der ersten Weltmeisterschaft im Hässlichtanzen für die optimale Möglichkeit. Wir sind unserem Ziel auf jeden Fall ein Stückchen näher gekommen. Die Bewerbungsphase für die Teams hatte Anfang September, also knapp 6 Wochen vor dem Event, begonnen.

Was habt ihr gemacht, um den Ugly Dance World Cup zu promoten? Wie viel Geld habt ihr für Werbung ausgegeben?

Die Bekanntmachung lief fast ausschliesslich übers Internet. Auf unserer Webseite www.uglydanceworldcup.com waren alle Informationen und die unterhaltsamen Bewerbungsvideos zu finden. Wichtiger jedoch war unsere Facebook Fanpage (www.facebook.com/uglydanceworldcup). Innerhalb einer Woche hatten wir über 500 Fans, darunter auch Journalisten und Blogger...die virale Promowelle rollte unaufhaltsam los. Nach kurzer Zeit wurde aus über 69 Ländern auf unsere Webseite zugegriffen. Gekostet hat das Ganze also eher Nerven als Geld, aber natürlich haben wir auch Flyer, Plakate, Aufkleber und anderen Schnick Schnack produziert.

Wie wichtig war Facebook für den Erfolg des Ugly Dance World Cup?

Siehe oben...Facebook ist momentan die Nummer 1 in Sachen Promotion!

Über euch ist im Vorfeld der Veranstaltung bundesweit in Zeitungen und TV Sendungen berichtet worden. Was glaubt ihr: Wie viele Facebook-Fans habt ihr durch die Berichterstattung gewonnen?

Sehr schwer zu sagen. Wir hatten ja auch schon mehrere hundert Fans bevor auch nur eine Zeile über das Thema berichtet wurde. Das spricht für die Macht des hässlichen Tanzes.

Habt ihr den Kontakt zu Sponsoren gesucht oder haben euch Unternehmen angesprochen, weil sie die Idee gut fanden?

So und so.

Welche Erfahrungen habt ihr mit potentiellen Sponsoren gemacht: Gab es Sponsoring-Angebote, die ihr abgelehnt habt? Warum? Gibt es Unternehmen, mit denen Ihr grundsätzlich nicht zusammenarbeiten würdet? Warum?

Uns ist es wichtig, das in jedem Fall die hässliche Idee im Vordergrund steht und kein Produkt. Potentielle Sponsoren müssen auf jeden Fall zu dem Thema passen und dürfen nur unterschwellig in Erscheinung treten. Es wird also niemals den großen Sparkassen Ugly Dance World Cup geben. Einer unserer netten Sponsoren war zum Beispiel shoesenkel.com, ein neues Label für coole Schnürsenkel made in Germany. Das passt wie die Faust auf's Auge und hat Style, auch wenn die Senkel eigentlich zu schön für hässlich sind...für diesen Satz bekommen wir übrigens kein Geld ;)

Stellt euch vor: Ein Unternehmen wie Nike, hätte den 1. Ugly Dance Worldcup veranstaltet. Hättet ihr die Veranstaltung besucht?

Das kommt ganz klar auf die Umsetzung an. Wenn es nach einer reinen Verkaufsvaranstaltung ausgesehen hätte, sehr wahrscheinlich nicht. Uns ging es in keiner Sekunde um Erlöse, die Veranstaltung kann trotz Sponsoren als unkommerziell bezeichnet werden. Alle Umsätze stecken wir direkt in die Planungen für's nächste Mal. Hätte Nike eine solche Veranstaltung organisiert, wäre es letztlich um Werbung bzw. Geld gegangen. Uns ging und geht es auschließlich um die Idee, an die wir glauben. Wenn man damit auch Geld verdienen kann, dann freuen wir uns natürlich.

Viele Unternehmen und Marken versuchen gerade auf Facebook, Twitter und Co. Fuß zu fassen. Habt ihr einen Rat an die Unternehmen, wie man in Sozialen Netzwerken Fans gewinnt?

Ehrlichkeit, Aktualität und gute Laune durch Selbstironie! Das Wort Krise kann und will keiner mehr hören.

Wird es einen 2. Ugly Dance Worldcup geben?

Unbedingt! Wir haben bereits Anfragen für Vorentscheide aus Australien, Frankreich und England. Außerdem steckt noch deutlich mehr Potential im Ugly Dance, als bisher gesehen. Die Möglichkeiten sind schier undendlich und längst nicht ausgereitzt. Richtig interessant wird es, wenn verschiedene Kulturen aus aller Herrenländer im Hässlichtanz aufeinander treffen.
You say ugly? We say dance!

Freitag, 2. Oktober 2009

Viel Optimismus wenig Antworten. Das erste Digital Film Camp in Hamburg.

Ich war heute nachmittag beim ersten Digital Film Camp im Haus 73 in Hamburg. In sehr angeregter Runde diskutierten Filmemacher, Vermarkter und Web2.0 Nerds , im Rahmen des Filmfest Hamburg, wie Social Media das Filmgeschäft verändert.


Leider habe ich die Session zu neuen Erzählmodellen verpasst. Aber ich kam noch rechtzeitig um im Block 'Social Media' mit zu diskutieren. Natürlich standen auch auf dem Digital Film Camp die ewigen zwei Fragen im Vordergrund:

- Wie vermarkte ich meinen Film im Social Web?
- Wie werden sich die Finanzierungemodelle für Filmemacher ändern, wenn TV und Kino an Relevanz verlieren?

Die Diskussion über 'Social Media Filmmarketing' hat für mich zu diesem Ergebnis geführt: Wenn der Film erst nach seiner Fertigstellung vermarktet wird, braucht man eine gute Buzz-Idee, um ihn in Social Networks bekannt zu machen. Das unterscheidet sich von klassischer Werbung eigentlich nur insofern, dass man statt auf ein Plakat auf Facebook setzt, mit dem Risiko ungehört zu bleiben.

Die Chance auf Erfolg in der Social Media Sphäre ist laut den Einschätzungen aus dem Podium größer, wenn man von der ersten Drehbuchseite an, beginnt über seine Arbeit in Blogs und Netzwerken zu berichten, sich mit Multiplikatoren austauscht und Filmschnippsel zur Verfügung stellt.

Dann kann es gelingen bis zur Fertigstellung des Films eine "angefixte" Fangemeinde aufgebaut zu haben, die das Werk unbedingt sehen möchte. Jedoch könne man am ehesten Fans gewinnen, wenn man sich mit seinem Stoff an eine bereits bestehende Fancommunity andockt. Als Beispiel wurde die österreichische Dokumentation Sneaker Stories genannt. Sie wurde in engem Kontakt zu der Turnschuh-Enthusiasten-Szene entwickelt wurde.
(Randnotiz: Wie eng die Verbindung zwischen Fan-Community und Blockbuster-Filmen sein kann, zeigt MIT Prof. Henry Jenkins am Film District 9)

In Sachen Finanzierung herrschte Ratlosigkeit gepaart mit Optimismus. Filmemacher seien schließlich Selbstausbeutung und unsichere Finanzierungen gewohnt. Das Internet eröffne mit Imagefilmen, Branded Entertainment oder der einen Start-Up-Idee, wie der Videonachhilfe "Sofatutors" , sogar neue Erlösmöglichkeiten.

Besonders heiß diskutiert wurde die Idee, Filmportale unter dem Label einer Zeitung aufzubauen, deren Marke bereits für eine gewisse Qualität steht. Aus der Cinemathek der Süddeutschen Zeitung könnte eine Online Plattform für jungen deutschen Film entstehen.

Da aber weder Video on Demand noch Per per View vom Podium als funktionierende Bezahlmodelle angesehen wurden, richtete sich der Blick auf das Crowd Funding. Der Film "Iron Sky" versucht seine Finanzierung zu sichern, indem Fans, die den Film sehen möchten, der Produktionsfirma im Vorfeld 10$ über das Internet spenden.



Wie auch bei der Social Media Vermarktung scheint wieder die Fan-Community der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Das stimmt mit der These überein, die Marketing-Guru Seth Godin in seinem Buch Tribes vertritt: Künftig kauft man entweder teuer kurzfristige Aufmerksamkeit für ein Produkt ein oder man baut sich langsam aber stetig einen eigenen Stamm (Tribe) an Fans auf, die man bedient.