Dieser Blog ist umgezogen!

Achtung!! Dieser Blog ist umgezogen. Ab jetzt schreibe ich auf http://growthbystory.de/.

Montag, 31. Oktober 2011

Kreativ-Tipps aus der Microsoft Nerd-Garage.

Auf Twitter hatte ich es ja bereits angekündigt: Ich gehe auf Tournee (zumindest ein wenig).

Die kommenden Wochen bin ich immer Dienstags in der Windows 7 - Nerd Garage von Microsoft zu finden, die durch deutsche Universitäten tourt. Dort halte ich Kreativ-Workshops für Studenten und erkläre ihnen, wie sie mit Kreativtechniken ihre Ideenfindung verbessern. Denn viele große Ideen sind in einer Garage geboren worden.

Der Prozess der Kreativität fasziniert mich schon lange. Ich habe darüber immer wieder Posts auf diesem Blog geschrieben und vor zwei Jahren einen langen Artikel zusammen mit Faktor 3 Vorstand Stefan Schraps verfasst.

Um so erstaunter bin ich immer wieder, dass gerade Institutionen, die von Kreativität leben so wenig Zeit darauf verwenden, diesen Prozess zu verstehen und zu optimieren. Das gilt leider sowohl für Agenturen als auch für Universitäten.

Statt Leuten Techniken an die Hand zu geben, die ihre Kreativität inspirieren, werden kreative Prozess oft mystifiziert: In Universitäten wird der Glaube an den einsamen, genialen Schreiberling gepflegt, der in der Bibliothek seiner Textgliederung folgt. Und in Agenturen verschwenden im Glauben an die Kraft von Teamwork und kreativem Chaos lieber Zeit in endlosen "Brainstorming-Meetings" mit "ausdenken" oder rumdenken", statt einem Prozess zu folgen.

Dabei gibt es Kreativ-Techniken für beinahe jede gedankliche Herausforderung. Egal ob man ein Produktidee, eine Werbeidee oder das Thema für die nächste Hausarbeit sucht. Egal ob man alleine oder im Team arbeitet.


Die Hauptsache ist, sich der Fragestellung klar zu sein, zu der man eine Idee sucht. 

Dann kann man mit Kreativ-Techniken prima arbeiten.
Und allein dieses Wiki listet viele Methoden auf,
um die Ideenfindung produktiver zu gestalten: http://www.mycoted.com/Category:Creativity_Techniques

Um so mehr hat mich die Anfrage von Microsoft gefreut, im Rahmen der Windows 7 Roadshow auf ein das Bedürfnis von Studenten einzugehen, sie in Sachen Kreativität zu coachen.

In den 90 Minuten Workshop erkläre ich kurz den Kreativprozess. Ich mache darauf aufmerksam, wie wichtig es ist zunächst möglichst viele Ideen anzustreben und sich nicht zu früh gedanklich zu beschneiden. Im Gegensatz zum Alltag gilt während der Ideenfindung der Grundsatz:
"Ich kümmere mich um Quantität, dann kommt die Qualität von ganz alleine!"


Das lässt sich bei am Beispiel der Filmproduktion am deutlichsten zeigen: Um 90 Minuten Film zu machen, werden oft viele Stunden Material gedreht und verworfen.

Anschließend mache ich deutlich, dass die meisten Ideenblockaden - die berühmte Angst vor dem weißen Blatt  - meist von eigenen Emotionen wie Ehrgeiz, Angst und Stress genährt wird. Und gerade hier helfen Kreativtechniken, die negativen Emotionen der eigenen Kreativität gegenüber zu überwinden. Sie verändern die Aufgabe und zwingen den eigenen Perfektionismus runterzuschrauben.

Natürlich sind sie keine Garantie für eine gute Idee geben. Aber Kreativtechniken erhöhen sie zumindest die Chancen eine Idee zu finden.

Ganz konkret üben wir in dem Workshop drei Techniken, die man mit dem Computer gut umsetzen kann:

1. Technik: Fokus Writing (manchmal auch Brain-Writing genannt)

Fokus Writing hilft einen Eintsieg ins Schreiben zu bekommen. Es ist die direkteste Variante die Angst vor dem weißen Blatt zu überwinden und mutig die ersten Gedanken oder Ideen zu Papier zu bringen.

Und das funktioniert so:
Man öffnet seine Textverarbeitung (wie Word) und blendet die Symbolleisten aus, damit einen nichts vom Schreiben ablenkt. Dann schreibt man für 5min alles auf, was einem zu einer gestellten Fragestellung einfällt auf. Mit dem Ziel den Schreibfluss nicht zu unterbrechen.

Dabei gelten zwei Regeln:

Löschen ist tabu! 
Die Rücktaste darf unter keinen Umständen betätigt werden. Auch nicht, um Wörter zu korrigieren.
Der Hintergrund: Seit der Schule sind wir auf ordentliche Rechtschreibung trainiert. Das führt dazu, dass wir gleichzeitig kreativ sein und ein ordentliches Ergebnis abliefern wollen. Doch Kreativität und Überarbeitung sind zwei getrennte Prozesse. Und leider denken die meisten Menschen deshalb beim Schreiben mehr über die Rechtschreibung nach, als über die Ideen, die sie aufschreiben. Doch selbst ein Text mit sehr vielen Tippfehlern ist schnell korrigiert.

Umherschauen und Pause machen ist verboten. 
Jeder kennt das Phänomen. Sobald einem beim Schreiben für zwanzig Sekunden nicht einfällt, hebt man den Kopf und blickt in der Gegend herum. So als suche man nach jemandem, der einem den nächsten Einfall ins Ohr flüstert. Oder viel schlimmer: Man klickt rüber zu Facebook.

Beides bricht den Fokus. Man möchte nicht weitergehen. Bösartig formuliert hat man entweder Angst vor den Ideen, die kommen könnten oder man ist so selbstzufrieden, dass die Einfälle bis hier hin schon ausreichen. Doch die Erfahrung zeigt, dass die guten Ideen stets nach dem ersten Gefühl von Ideenlosigkeit eintreffen.

Wenn also das Gefühl eintritt, dass einem nichts einfällt, ist es besser drei mal hintereinander zu schreiben "Mir fällt nichts ein" als den Schreibfluss zu unterbrechen. Ich gehe jede Wette ein, dass der Schreibfluss dann wieder einsetzt.

2. Technik: Chat-Storming
Diese typische Brainstorming Situation kennt jeder: Acht Leute sitzen um einen Tisch herum. Doch statt neue Ideen zu finden, wird gestritten. Jeder Teilnehmer hängt an seiner Lieblingsidee und versucht sie zu verteidigen. Die lauten Charaktere (die nicht immer die besten Ideen haben) setzen sich durch, die leisen Charaktere schlucken ihre Gedanken herunter. Nach einer Stunde bricht man das Meeting Ideenlos ab.

Diese Situation lässt sich mit einem einfachen Trick umgehen: Man zwingt die Teilnehmer in ein Chat-Programm (wie den WinLive Messenger). In den Chat dürfen für zehn Minuten nur Antworten/Ideen zu einer zuvor gestellten Frage geschrieben werden. Bewertungen oder Diskussionen sind tabu.

Der Vorteil: Alle Teilnehmer haben die gleiche Lautstärke und kein Gedanke geht im verbalen Stellungskrieg verloren, weil er im Chatprotokoll erhalten bleibt. Und wenn die Chat-IDs anonym vergeben werden, wird sogar der Mut erhöht, sich über Hierarchien hinweg zu setzen.


3. Make an Ad
Eine gute Idee lässt denjenigen, der sie hat, sofort ins Schwärmen kommen. Sie löst hunderte Gedanken aus, wie sie am Besten umzusetzen wäre. Und egal ob Produktidee oder Hausarbeit - schnell geht in der Begeisterung der Blick für das Wesentliche verloren.

Hier kann es helfen, für seine eigene Idee eine klassische Werbeanzeige zu skizzieren.

"Wie würde eine Werbung für meine umgesetzte Idee aussehen?"

Diese Frage zwingt einen dazu  auf begrenztem Raum die Features und Bedürfnisse hervorzuheben, die wirklich wichtig sind.

Und darüber hinaus, steckt in einer solchen Anzeige (z.B. für eine Hausarbeit) auch eine stark motivierende Kraft: Über den Bildschirm gehängt, erinnert sie den Ideen-Umsetzer daran, was er schaffen will.

In den bisherigen Workshops entstanden so spannende Ideen u.a. für das Handy der Zukunft:



[Kleiner Disclaimer: Diese Kreativtechnik führt sich natürlich ad-Absurdum, wenn man die Idee für eine Werbeanzeige sucht...;-) Aber dann gibts andere!] 

Wer jetzt noch mehr Futter zu dem Thema braucht, dem empfehle ich diese drei Bücher:

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Content 2020: How Coca Cola sees Storytelling in the Center of their Marketing

On Chris Schaumann's blog "Advertising 3.0" I have stumbled upon this Video by Coca Cola explaining their Content Strategies till the year 2020. It offers some very interesting ideas (and lot of buzzy sounding words ;-) ).



I really like that they still see storytelling in the center of their marketing activities. Because even
if "markets are conversations" - you need a good story to start a conversation and to keep it going. So that is not that new. But the social web - with its more direct and participatory forms of communication - forces us to remember that a great storyteller should always be able to react to his audience. Despite all the new technology an old picture comes into my mind: Think about a Bard in ancient times travelling from city to city, explaining the world through his stories. Like him a modern brand needs to tell stories while fluidly reacting to audience feedback.

This is not an easy task. Because the audience doesn't always know what it wants to hear. Or it changes his mind very quickly depending of their context of Life.
Every Bard knew that a new story always poses a threat. If the audience don't like it, they will throw tomatoes. If the King doesn't like it, you may loose your head. But telling only save (pretested) stories (those everybody likes an knew) won't make you famous. And sooner or later your stories will bore people (with the same effects : Tomatoes and Hangmens).

So striving for "Content Excellence" - telling great stories means - to be ready for an adventure. An adventure with many creative and corporate obstacles. So whoever builds such stories - he will need a lot of persistence:




Dienstag, 4. Oktober 2011

Storytelling in der PR - Rückblick auf mein Seminar an der Akademie für Publizistik

Vergangene Woche habe ich zusammen mit Maike Gosch (Autorin und Content and Communication Manager der Stiftung Dekeyser&Friends ) ein zweitägiges Seminar zum Thema "Storytelling in der PR" an der Akademie für Publizistik veranstaltet.

Storytelling in der PR ?!?! - Das klingt danach, Eulen nach Athen zu tragen.
Schließlich ist das Erzählen und Vermarkten von Geschichten eine Kernkompetenz von PRlern, die man von der Pike auf im Job lernt.

Das stimmt. Die Prinzipien guter Geschichten hat ein talentierter Kommunikator meist im Bauch. Sie sind unterbewusst gelernt und eingeübt durch die tägliche Arbeit und durch den konstanten Medieneinfluss.

Nur stößt unser praktisch gelerntes Erfahrungswissen an Grenzen, wenn man es verbalisieren soll oder eine Geschichte einfach nicht funktionieren will, weil sich die Medien, mit denen man täglich umgeht, verändern.

Wie erklärt man einem Kunden oder Kollegen, warum eine Story, die man in einer Pressemeldung oder einer crossmedialen Kampagne erzählen möchte besser ist als eine andere? An welchen Stellschrauben kann man drehen, damit eine Story neu, überraschender, emotionaler oder interaktiver wird? Welche Geschichten lassen sich über Medien hinweg erzählen?

In der oft "hemdsärmeligen" Agenturwelt findet man dazu recht wenig Hilfestellung zu diesen Fragen außer dem viel genutzten Verweis auf eine Case Study (die ihre eigenen Gefahren mitbringen).

Meinen Blick auf Storytelling haben vor allem durch den Master's Course in Digital Games Research der Uni Tampere (2004-2005) und die Drehbuch-Klasse an der Filmschule Hamburg/Berlin (2008-09) verändert, die ich zusammen mit Maike Gosch besucht habe.

Plötzlich eröffneten sich mir Kategorien/Prinzipien des Erzählens, die sich seit Aristoteles gebildet hatten. Die Schwächen einer Geschichte und ihrer Dramaturgie liesen sich nun aussprechen, definieren und vor allem korrigieren.

Seit dem beschäftigt mich der Gedanke, wie man zumindest einige Grundzutaten des Storytelling in der PR aber auch anderen Bereichen der Markenkommunikation (von Klassischer Werbung bis Social Media) nutzen kann.

Denn selbst wenn Märkte heute Gespräche sind, braucht es gute Geschichten, um ins Gespräch zu kommen, ein Gespräch anzuregen und am Laufen zu halten.

Vor diesem Hintergrund haben Maike und ich das Seminar als einen Workshop aufgebaut. Er führt die Teilnehmer aktiv vom Verständnis einer Marke in zwei Tagen zu einer spannenden Markengeschichte und einer Idee für eine interaktive/transmediale Inszenierung.
Die Schritte innerhalb dieses Prozesses folgten fünf zentralen Arbeitsblättern und wurden durch Theorieteile, Creative-Writing Übungen und Gruppen-Brainstormings begleitet.

Die Arbeitsblätter sind gleich unten erklärt.
Unseren nächsten Storytelling- Kurs kann man auf der Homepage der Akademie für Publizistik buchen.

Die Arbeitsblätter:


Arbeitblatt 1: Marken-Verständnis
Wer für eine Marke oder ein Unternehmen Geschichten entwickelt, muss dessen Identität verstehen. Dieses einfache Markenmodell hilft dabei. Es ist inspiriert durch dieses Video: http://vimeo.com/12426840


Arbeitsblatt 2: Creative Writing Übung
Dieses Arbeitsblatt ist Grundlage für eine einfache Creative-Writing Übung: Für fünf Minuten schreibt man in der linken Spalte alles auf, dass einem zu einem markenrelevanten Thema einfällt. Die einzige Regel: Man darf niemals den Stift absetzen oder etwas durchstreichen. Danach notiert man in der rechten Spalte Gedanken oder Ideen, die man weiterverwenden möchte.

Arbeitsblatt 3: Kaltstart
In zehn Minuten entwerfen die Teilnehmer eine Geschichte für eine Marke oder ein Unternehmen allein auf Basis ihrer Job-Erfahrung und verbessern diese Geschichten im Team. Im Seminar haben wir Thema und Unternehmen vorgegeben, damit niemand in eine Geheimhaltungs-Problematik zu seinem Arbeitgeber kommt.


Arbeitsblatt 4: Story Development
Dieses Arbeitsblatt folgt auf eine intensive Storytelling-Theorie Session. Hier wurden die wichtigsten Prinzipien erklärt . Entlang dieses Arbeitsblattes und der dort gestellten Fragen überarbeiten die Teilnehmer ihre Geschichte.

Arbeitsblatt 5: Crossmedia-Design
Dieses Arbeitsblatt hilft den Teilnehmern, sich ihre Geschichte in unterschiedlichen Medienformaten vorzustellen. In die Mitte schreibt man das Medienformat. Die vier Quadranten helfen zu verstehen, dass Story, Design, Mechanik und Technologie unterschiedliche Faktoren sind, die das Gesamt-Erlebnis beeinflussen. Schnell wird den Teilnehmer klar, dass nicht jedes Medium die ganze Geschichte erzählen muss - sondern auch Teilgeschichten in verschiedenen Medien interessant sind. Die Konzeptpapiere für die unterschiedlichen Medien werden an einer Wand gesammelt und anschließend visuell verlinkt. So entsteht in wenigen Stunden der Rohbau einer medial vernetzten Story.